Das Dienstagsding, diesmal: Hut ab!

Intro: Sämig säuselt da de Saussure: „Die Sprache ist von allen sozialen Einrichtungen diejenige, welche am wenigsten zur Initiative Gelegenheit gibt.“¹ 
Potzblitz, diese Ansage muss einem jeden, der auch nur einigermaßen gewitzt gestrickt ist, doch die förderlichste Herausforderung sein! Also ergreife ich heute einmal mehr die Initiative …

Schon unser aller Kästner wusste, wie wichtig Kopfbedeckungen auch metaphorisch für Kinder und Erwachsene sind. Da der liebe Erich an einem 23. Februar geboren worden ist, möchte ich mich nun auch endlich diesem bedeutsamen Thema widmen.

Dass ich mein karges Haupt mal mit einem anständigen Deckel versiegeln dürfte, kann ich mir natürlich an den Hut stecken. [Vgl. Abbildung oben.] Ich muss nicht erwähnen, wer hier in Hugos Lebens- und Entfaltungsraum den Hut aufhat, weshalb ich mich immer im angemessenen Maße auf der Hut befinde. „Hüte dich“, rief die Menschin neulich morgens im Bad durch einen Zahnpastaschaum, „vor schwarzem Tee, der macht die Zähne gelb.“ Ich parierte mit einem Aufschrei nach politischer Korrektheit, den sie ungerührt mit im Waschbecken ertrinken ließ, aber ich schweife ab.

Der durchschnittliche SchildBildungsbürger wächst durchaus schneidig und einigermaßen gut behütet auf. [Eine konsequente Bedeckung von Kopf und Nacken ist bei im Freien spielenden Kindern übrigens unerlässlich, um einen Sonnenstich zu vermeiden. Haben wir bei der Ersten Hilfe gelernt. Außer es regnet. Aber Regentänze haben wir ja nicht gelernt.] Einst gab es Zeiten, da verlangten kleine Jungen: „Ei, Vater, sieh den Hut dort auf der Stange!“ Schillernde Zeiten waren das, aber meistens endete es ja doch in Apfelmus. Und ist das Kind erst ruiniertmissgestimmt, so musst du zusehen, dass du etwas Schönes aus dem Hut gezaubert bekommst, sodass dem Kind deine Obhut nicht allzusehr verleidet wird. Sonst wirst du bald deinen Hut nehmen müssen!

Aber ich habe ja an und für sich mit Kindern nichts am Hut, weil die Menschin steif und fest behauptet, noch kleiner könne sie nicht häkeln. Was mit diesem „noch kleiner“ angedeutet wird, also, da könnte mir ja die Hutschnur reißen, denn ich kann doch nichts dafür, dass ich so bin, wie ich bin! Hätte sie sich halt die Telefonzelle von nebenan einstricken lassen und nicht ihr kleines olles superschlaues mobiles Endgerät, dann würden wir hier aber mal ganz andere Saiten aufziehen! Doch ihr wisst, wenn der Dame erst der Hut hochgeht, dann ziehen am Weltgeschehen Szenen vorbei, in deren Folge ich so klein mit Hut bin, weil ich wieder eins auf den Deckel gekriegt hab, davor kannst du dann nur den Hut ziehen!

Aus diesem und anderen Gründen empfehle ich, im Zweifel auch divergierende Köpfe unter einen Hut zu bringen, wenngleich diese Weisheit ein furchtbar alter Hut ist.

So greife ich zum Maletot
und schwenke fröhlich meinen Po
und rufe freundlich aus: Chapeau!


 

 

¹ Bally, C. und Sechehaye, A. (Hrsg.): Ferdinand de Saussure: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Walter de Gruyter & Co., 2. Auflage, Berlin 1967, S. 86.

Das Dienstagsding, diesmal: Sprich Wörter!

Der frühe Vogel kämmt den Wurm, das ist ja allgemein bekammtkannt. Aber ist euch schon mal aufgefallen, dass die deutsche Sprache tatsächlich nur dafür erfunden worden ist, ihre Benutzer a) zu unterhalten, b) herumzukommandieren oder c) unterhaltsam herumzukommandieren?

Man nehme [Imperativ!] nur mal das gute alte Sprichwort [Imperativ! Und was soll man eigentlich sonst sprechen? Scat* oder was?]. Morgenstund hat Gold im Mund … Uäh! Da wachst du morgens auf, der frühe Vogel knackt [ja, mit n] dir tierisch im Gebälk und dann kriegst du vor lauter Dublonen den Mund nicht zu? Was könnte das anderes sein als Schikane? Gut, es könnte auch als Plädoyer für das Ausschlafen gedeutet werden, das muss man einräumen. Aber alles, was man sich einräumt, muss man irgendwann auch wieder auslöffeln, und da beißt die Maus sich und den Hans … Außerdem ist ja nicht alles Gold, was glänzt.

Der der deutschen Sprache mächtige Mensch hat es einfach schwer. Will er ungestört einen Ast absägen, so muss er immer erstmal schauen, ob er nicht noch darauf sitzt. Sollte ihm da mal ein Fehler unterlaufen [Warum laufen Fehler eigentlich immer unter, nie über? Und ist es dann noch ein Fehler, wenn man das Fass zum Überlaufen bringt? Wohin muss man da eigentlich?], lachen sich die Beobachtenden einen Ast ab und er hätte sich die Mühe sparen können.
Apropos sparen. „Wer den Kreuzer nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“, sagte schon unser aller Weisheitsguru Dagobert Duck in Entenhausen. Blöd nur, dass selbst hartnäckigstes Auf-die-hohe-Kante-legen hier nicht weiterhelfen würde. Aber ich habe da mal ordentliche mentale Transferleistungen betrieben und das Ganze auf den Euro übertragen. Seitdem sucht die Menschin ständig ihr Kleingeld. Von mir kriegt sie den Tipp mit dem Bücherregal aber nicht! Schließlich ist Reden Silber und Schweigen Gold. [Schon wieder! Gold regiert die Wolt, das ist wirklich schlimm.]

Jedenfalls, was ich eigentlich sagen wollte. Die Menschin belöffelte mich neulich, dass ich nicht immer nur große Reden schwingen solle, sondern auch mal den Staubsauger, und wenn das nicht ginge, dann solle ich meine kruden Theorien wenigstens auch einem Praxistext unterziehen. Also unternahm ich einen Spaziergang und beriet mich eine Weile mit den Geistern meiner ehemaligen Sonnenblumenkinder.

Blumengeister

Der Plan war genial, ich war noch genialer, und der Rest ging dann ganz, ganz schnell. Ich fuhr heimlich per Anhalter in die Innenstadt und schenkte einer Taube einen Strauß Gänseblümchen. Sie war verzückt, hätte mich fast angeturtelt und folgte mir bereitwillig nach Hause. Ich bat sie, auf einem Dachziegel Platz zu nehmen, von dem aus man die Nachmittagssonne am allerbesten genießen könne, stellte einen Cocktail bereit und ließ sie allein. Dann kroch ich eine Weile durch den Nachbarsgarten, bis ich Erich, Franz und Hans traf, veranstaltete ein kleines Casting und ließ schließlich Erich mit mir mitkommen. Dann wurde es spannend – also, NOCH spannender -, denn wir mussten warten, dass die Menschin endlich nach Hause kam. Sie kam, sah und siegte mich fragend an und ich hieß sie, auf einem Balkonstuhl kurz zur Ruhe zu kommen und die Augen zu schließen. Sie war misstrauisch, aber das ist sie unbegründeterweise ja immer, und letztlich folgte sie meiner Anweisung. Ich pfiff also Erich heran, der unter dem Klavier mit den Staubmäusen angebändelt hatte, und mit einem Satz saß er in der Menschins Hand.

Nun, meine Frage, ob ihr das tatsächlich lieber wäre, ging leider in ihrem erschrockenen Schrei unter. Heiliges X! Drei volle Nächte durfte ich mit der Spatzengang im Haselstrauch sitzen, dann erst ließ sie mich wieder hinein, da sie Angst hatte, mein permanentes Klopfen könne die Tür beschädigen. Und nun trau ich mich nicht, noch einmal nachzufragen. Wie sagt man so schön – manchmal sollte man den Ball lieber flach halten, sonst hat man im Wohnzimmer plötzlich ganz dünnes Eis. Und das ist nicht immer nur Schoko oder Vanille.

*Nein, Scat ist weder eine englische Skat-Version noch die Kurzform für Supercat, sondern laut Duden der Gesang von Silben, die keine Bedeutung haben. Quasi als ob man einen notorischen [nicht zwingend motorischen] Langschläfer morgens halb sechs weckte und von ihm eine Rezitation des Erlkönigs verlangte. Das zu erwartende Ergebnis fiele vermutetermaßen eher mau aus [Ha, wieder ein Katzenverweis!], und zwar im Sinne von: „We-rei-spä … Nawi? E-de-Va … mseiki …“ Probiert es ruhig mal aus – aber auf eigene Gefahr!