Das Dienstagsding, diesmal: Die Zeitumstellung.

Geneigtes Publikum, bitte richten Sie sich wieder auf, sonst kann ich Ihnen ja gar nicht meinen ganzen Charme in die Augen sprühen. Die dünnen Jahre sind vorbei, der Reichtum winkt aus vollem Halse, auch wenn das eher unangenehm klingt. Ich sage euch, das wird prima!
Endlich habe ich das Problem für meine Lösung gefunden! Und zwar: Ich habe bisher noch kein Theaterstück geschrieben. Doof, was? Nachdem ja eigentlich jedem klar ist, dass
a) das Leben meine Bühne ist,
b) die Menschin ständig Theater macht und
c) für jeden mal der Vorhang fällt,
liegt doch auf der Hand, was zu tun ist. Und da ich ziemlich kleine Hände habe, habe ich auch einigermaßen wenig zu tun. Also lehnt euch zurück oder an euren Nebenmenschen und genießt das Schauspiel.


Szene: Unendliche Weiten, soweit zurechtgestutzt, dass sie auf eine Bühne passen. Zwei Akte tummeln sich in der Mitte des Raumes: die nackte Angst und der blanke Wahnsinn. Sie warten schweigend auf Godot den Bus. Die Zeit donnert herein.

Zeit: Meine Güte, was bin ich heute wieder lang geworden! Habe nun, ach! Vergehen, Erwarten, Kurzweil und leider auch Stillstand durchaus studiert mit heißem Verglühn. Da steh ich nun, ich armer Tropf, und hab noch immer nichts im Kopf.

Der Vorhang fällt. Ein Bühnenmitarbeiter entschuldigt sich und hievt ihn ächzend wieder hoch. Die nackte Angst steckt sich eine Zigarette an. Die Zeit fuchtelt mit großer Geste durch die Luft und lässt ihre unzähligen Arme schließlich sinken.

Zeit: Es ist so kühl, so muffig hie‘! Und eben doch kein Schwan nicht draus! Es wird mir so – ich weiß nicht, wie – ich wollt … Also, mir schwant da jedenfalls nichts Gutes.

Der Bühnenboden öffnet seinen Schlund, hustet kurz und spuckt dann zwei große Hände aus.

Zeit: Oh Schreck, zwei Hände! Jetzt geht’s wohl zu Ände.

Hände: Wir kommen in friedlicher Mission.

Zeit: So nennt euren Auftrag!

Hände: Zweckstand ist widerlos, wir müssen dich umstellen.

Die nackte Angst hustet. Der blanke Wahnsinn lacht schadenfroh. Godot schlurft auf die Bühne, blickt sich irritiert um und geht wieder.

Zeit: Was fällt euch ein! Ihr unverschämten Handlanger!

Hände: Kein Grund, ausfallend zu werden. Wir handeln nur im Sinne des Erfinders. Außerdem kennst du die Prozedur doch schon.

Zeit: Gar nichts kenne ich! Wer hat euch geschickt?

Hände: Schnüffeleien schicken sich jedenfalls nicht.

Die Hände packen die Zeit und stellen sie eine Stunde nach vorn. Fast fällt sie vom Bühnenrand. Im Hintergrund kommt der Bus, doch der Fahrer merkt in der Sekunde, dass er bereits eine Stunde zu spät ist und fährt eilig davon. Der blanke Wahnsinn geht schaukeln. Die Hände huschen davon.

Zeit: Wie wird mir?

Nackte Angst: Vielleicht etwas verrückt?

Die Zeit möchte etwas erwidern, doch der Vorhang fällt erneut. Das Theater schnauft kurz durch und entschwindet dann in einem neuen Zeitfenster. Ende Gelände.


 

Hört auf zu klatschen, ich hör mich ja kaum, Freunde! Was ich eigentlich sagen wollte. Die Zeitumstellung ist für viele Menschen ein Problem. Nicht nur die Menschin pendelt seither durch die Bude wie ein Kind nach einer Stunde auf dem Trampolin. Und alles nur, weil die Zeit sich ohne erkennbare Motivation selbst verschlingt!
Nicht, dass euch mein Beitrag dazu jetzt weiterhelfen würde. Aber wartet nur, bis ich berühmt geworden bin. Das X wird sich dann schon zu helfen wissen! Und bis dahin nehmt euch lieber mal etwas Zeit für euch. Aber bitte kühl und trocken lagern.

Das Dienstagsding, diesmal: Sprich Wörter!

Der frühe Vogel kämmt den Wurm, das ist ja allgemein bekammtkannt. Aber ist euch schon mal aufgefallen, dass die deutsche Sprache tatsächlich nur dafür erfunden worden ist, ihre Benutzer a) zu unterhalten, b) herumzukommandieren oder c) unterhaltsam herumzukommandieren?

Man nehme [Imperativ!] nur mal das gute alte Sprichwort [Imperativ! Und was soll man eigentlich sonst sprechen? Scat* oder was?]. Morgenstund hat Gold im Mund … Uäh! Da wachst du morgens auf, der frühe Vogel knackt [ja, mit n] dir tierisch im Gebälk und dann kriegst du vor lauter Dublonen den Mund nicht zu? Was könnte das anderes sein als Schikane? Gut, es könnte auch als Plädoyer für das Ausschlafen gedeutet werden, das muss man einräumen. Aber alles, was man sich einräumt, muss man irgendwann auch wieder auslöffeln, und da beißt die Maus sich und den Hans … Außerdem ist ja nicht alles Gold, was glänzt.

Der der deutschen Sprache mächtige Mensch hat es einfach schwer. Will er ungestört einen Ast absägen, so muss er immer erstmal schauen, ob er nicht noch darauf sitzt. Sollte ihm da mal ein Fehler unterlaufen [Warum laufen Fehler eigentlich immer unter, nie über? Und ist es dann noch ein Fehler, wenn man das Fass zum Überlaufen bringt? Wohin muss man da eigentlich?], lachen sich die Beobachtenden einen Ast ab und er hätte sich die Mühe sparen können.
Apropos sparen. „Wer den Kreuzer nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“, sagte schon unser aller Weisheitsguru Dagobert Duck in Entenhausen. Blöd nur, dass selbst hartnäckigstes Auf-die-hohe-Kante-legen hier nicht weiterhelfen würde. Aber ich habe da mal ordentliche mentale Transferleistungen betrieben und das Ganze auf den Euro übertragen. Seitdem sucht die Menschin ständig ihr Kleingeld. Von mir kriegt sie den Tipp mit dem Bücherregal aber nicht! Schließlich ist Reden Silber und Schweigen Gold. [Schon wieder! Gold regiert die Wolt, das ist wirklich schlimm.]

Jedenfalls, was ich eigentlich sagen wollte. Die Menschin belöffelte mich neulich, dass ich nicht immer nur große Reden schwingen solle, sondern auch mal den Staubsauger, und wenn das nicht ginge, dann solle ich meine kruden Theorien wenigstens auch einem Praxistext unterziehen. Also unternahm ich einen Spaziergang und beriet mich eine Weile mit den Geistern meiner ehemaligen Sonnenblumenkinder.

Blumengeister

Der Plan war genial, ich war noch genialer, und der Rest ging dann ganz, ganz schnell. Ich fuhr heimlich per Anhalter in die Innenstadt und schenkte einer Taube einen Strauß Gänseblümchen. Sie war verzückt, hätte mich fast angeturtelt und folgte mir bereitwillig nach Hause. Ich bat sie, auf einem Dachziegel Platz zu nehmen, von dem aus man die Nachmittagssonne am allerbesten genießen könne, stellte einen Cocktail bereit und ließ sie allein. Dann kroch ich eine Weile durch den Nachbarsgarten, bis ich Erich, Franz und Hans traf, veranstaltete ein kleines Casting und ließ schließlich Erich mit mir mitkommen. Dann wurde es spannend – also, NOCH spannender -, denn wir mussten warten, dass die Menschin endlich nach Hause kam. Sie kam, sah und siegte mich fragend an und ich hieß sie, auf einem Balkonstuhl kurz zur Ruhe zu kommen und die Augen zu schließen. Sie war misstrauisch, aber das ist sie unbegründeterweise ja immer, und letztlich folgte sie meiner Anweisung. Ich pfiff also Erich heran, der unter dem Klavier mit den Staubmäusen angebändelt hatte, und mit einem Satz saß er in der Menschins Hand.

Nun, meine Frage, ob ihr das tatsächlich lieber wäre, ging leider in ihrem erschrockenen Schrei unter. Heiliges X! Drei volle Nächte durfte ich mit der Spatzengang im Haselstrauch sitzen, dann erst ließ sie mich wieder hinein, da sie Angst hatte, mein permanentes Klopfen könne die Tür beschädigen. Und nun trau ich mich nicht, noch einmal nachzufragen. Wie sagt man so schön – manchmal sollte man den Ball lieber flach halten, sonst hat man im Wohnzimmer plötzlich ganz dünnes Eis. Und das ist nicht immer nur Schoko oder Vanille.

*Nein, Scat ist weder eine englische Skat-Version noch die Kurzform für Supercat, sondern laut Duden der Gesang von Silben, die keine Bedeutung haben. Quasi als ob man einen notorischen [nicht zwingend motorischen] Langschläfer morgens halb sechs weckte und von ihm eine Rezitation des Erlkönigs verlangte. Das zu erwartende Ergebnis fiele vermutetermaßen eher mau aus [Ha, wieder ein Katzenverweis!], und zwar im Sinne von: „We-rei-spä … Nawi? E-de-Va … mseiki …“ Probiert es ruhig mal aus – aber auf eigene Gefahr!

Das Recht hat immer eine Oma.

Es war vor gar nicht mal SO langer Zeit, da tingelte ich hier durch die Gegend auf der Suche nach einem Nebenjob. Mein Besuch beim Arbeitsamtmann in seinem schönen Arbeitsamtmannbüro, bei dem der Arbeitsamtmann sympathisch mit dem Arbeitsamtmannbürostuhl wippte, liegt ja nun schon eine Weile zurück, aber weder Weltruhm noch Dagobert’scher Reichtum haben sich eingestellt, deshalb beschloss ich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Der Spielwarenladen wollte mich lieber ins Sortiment nehmen als einstellen, die Frauen aus dem Dekoladen sahen mich verständnislos an und der nette Herr im Buchladen meinte, sobald er eine neue Koboldstelle freihat, ruft er mich an. Kurz bevor ich meinen Mut endgültig verlor, nahm ich noch einmal Anlauf und torkelte mit unvergleichlicher Eleganz in den Zeitschriftenwarenladen. Die Rechnung ist ja ganz einfach: Viele Menschen wollen Zeitschriften oder Zigaretten haben, also braucht der Zeitschriftenwarenladen auch viel Personal. Dachte ich mir so. Ich sagte mein Sprüchlein auf, dass ich eigentlich Filmstar werden wollte, dann Online-Journalist und dass ich jetzt Teilzeitkindergärtner für Sonnenblumen bin, womit man aber auch nicht besonders weit kommt [im Prinzip immer nur auf den Balkon] und dass ich jetzt deshalb eine Ergänzung zur Reichtumsgewinnung benötige. Die Dame schaute für den Bruchteil einer halben Sekunde über den Rand ihrer randlosen Brille [Finde den Fehler im rechten Bild!] und sagte dann, begleitet von einem gutturalen Seufzen:

„Nur, wenn Sie eine Lotto-Ausbildung haben!“

Ich wusste nicht sofort, was ich darauf erwidern sollte. Ihre Aussage und die Art, wie sie sich äußerte, legten mehrere Dinge nahe:

a) Scheinbar kommt jeden Tag fünfmal ein kleiner gelber Kobold zur Zeitschriftenwarenladentür herein und fragt nach einem Nebenjob.
b) Scheinbar sollte jeder kleine gelbe Kobold, der sich um einen Nebenjob bewirbt, vorher wissen, dass er für einen solchen eine Lotto-Ausbildung haben muss.
c) Scheinbar gibt es tatsächlich Wesen auf dieser Erde, die wissen, was eine Lotto-Ausbildung ist!

Schließlich entschied ich mich zur höflichen Rückfrage, was denn eine Lotto-Ausbildung sei. Damit ich es beim nächsten Mal besser wisse oder mich entsprechend weiterbilden könne.

„Na eine Ausbildung am staatlichen Lotto-Automaten!“

Ich schaute die Dame ernst und eindringlich an, in etwa so:

Ernst

… und teilte ihr mit, dass ich mit derlei Qualifikationen leider nicht dienen könne. Aber ich werde mich um ein Praktikum bei der Lotto-Fee bewerben.

Nun habe ich also noch immer keinen Nebenjob, aber dafür eine neue Passion: Ich werde Bäcker! Als die Menschin neulich nicht zu Hause war, habe ich nämlich probehalber mal eine Handvoll Mehl, Hefe, Sauerteig, Salz und Wasser zusammengeworfen und siehe da, es ist Folgendes passiert:

Brot

Da hat die Menschin aber Augen gemacht, als sie heimkam! Ich habe Auge zurückgemacht, damit sie nicht allein so blöd guckt, und dann haben wir uns den Bauch vollgeschlagen, also eigentlich eher so sie sich, aber geteilte Freude ist ja doppelt und Laber-Rhabarber.

Worauf ich aber eigentlich hinauswollte. Heute kam mir der durchschlagende Geistesblitz [Ein Glück ist Geistesdonner seltener. Der macht nämlich Kopfschmerzen.], dass man den Satz „Oma hat immer recht“ getrost auch umstapeln kann zu „Recht hat immer Oma“. Denn einerseits hat jede Rechtsform irgendwelche Urväter, von denen man heute noch Pamphlete lesen kann und die wiederum sicher eine Mutti hatten, und zweierseits ist jede Oma immer im Recht, egal was sie so erzählt. Das Recht hat also eine Oma und Oma hat immer recht [ja, das schreibt man wirklich klein, empfiehlt jedenfalls der Duden]. Und wenn Oma sagt, es steht ein Herd auf der Kur, dann stimmt das! Oder man hört schlecht, das ist auch immer eine Option.

Übrigens – und das nur als abschließender Hinweis: Gestern gab es einen dollen Mond. Der war so groß und rund und klar und schön, da wurde bald das X in die Pfanne gedrückt!

Doller Mond

Harken können nur die Starken.

Freund(e) des fließend warmen Wassers, ich muss euch etwas erzählen.

[Hierbei könnt ihr selbst wählen, ob ich noch immer irrigerweise davon ausgehe, dass ihr diesen Blogeintrag mindestens paarweise lest – und dabei am Ende noch fummelt oder (noch schlimmer) Popcorn esst – oder aber ob ich euch für derart majestätisch halte, dass mir diese Anrede für Eure Hoheit als einzig richtige erscheint. Wobei man das ja dann großschreiben müsste. Ach, ein Elend.]

Jedenfalls, worauf ich eigentlich hinauswollte: Heute Morgen ist es geschehen. Heute Morgen! Es muss zwischen 7 und 9 Uhr gewesen sein, die Sonne stand noch längst nicht im Zenit, als meine Menschin gerade aus dem Bett gekullert war und mittelmäßig gelaunt durch die Wohnung schlurfte. Ich trat auf den Balkon, um eine zu rauchen den Tag zu begrüßen, und da sah ich es: Linda hing durch! Bzw. eher herunter. Sie schien ganz geknickt, kaum mehr seufzend, eher schon gänzlich hinweggeschieden. Ich trat mit meinem ganzen Charme an sie heran: „Na holdes Blümchen, neues Parfümchen?“

Verendung

… doch es war vergeblich. Linda war bereits auf die große Blumenwiese übergesiedelt, auf der es keine Staunässe mehr gibt. Seufz.
Soweit erstmal ok. Dinge passieren. Das X schwebt stetig über allem. Aber dann! Ich schaute an mir herab, bewunderte kurz die zeitlose hugo’sche Schönheit und rummste anschließend mit meinem Blick direkt in vier gelbe, sehnsüchtige Äugelein:

Fünününü

Das ist wie mit diesen Küken, die quietscheflauschig aus dem Ei ploppen – wen die dann sehen, der hat erstmal keine Chance mehr. Also gucken mich diese kleinen Purzelchen an, als wäre ich der geborene Sonnenblumenpapa. Räusper. Das war prima. Ich erkläre hiermit also meine Karriere als Journalist vorerst für aufgeschoben [die führende deutsche Zeitung muss warten], denn ich werde erstmal Gärtner.
Das ist doch auch schön! Der Gärtner begeht immer die Morde, und wenn es nix zu morden gibt, so schleppt er wenigstens die attraktive Hausbesitzerin [wahlweise das Zimmermädchen] ab. Und wenn es weder das eine noch das andere gibt, dann kann er sich daran ergötzen, Dinge ein-, aus- und umzugraben und neues Leben zu erschaffen und altes auf den Kompost zu kloppen. Jawoll! Da bin ich dabei. Wenigstens bis morgen. Oder bis mich einer aus diesem blöden Balkonkasten rauslässt. Immerhin hat man hier gutes WLAN [Wurst lacht anfangs niemals? Wichtel leben angehend nostalgisch? Wuppertal lässt alle niesen?].

Worauf ich aber eigentlich hinauswollte. Wie nennt man vier Sonnenblumenwaisenkinder? Ich muss ja wissen, was ich in den Hof rausbrülle, wenn ich die Kleinen demnächst vom Spielen heimholen will, weil es Mittag gibt. Und was essen Sonnenblumenwaisenkinder eigentlich zu Mittag?

Aber gut, ich verzettel mich hier. Vergesst niemals in der dunkelsten Stunde eurer seelischen Verflechtungen: Das X steht für Gefahr! Und Chili riecht gar nicht mal nach sooo viel.

Chyly