Einwurf: Es ist April

Frühling lässt sein blaues Band
wieder mal zu Hause liegen.
Die Schneeflocken im Winde fliegen
und allen steht es bis zum Rand.

Herr Mörike, das ist doch wohl nicht Ihr Ernst? In meinem Lustgarten schneit es quer und das finde ich überhaupt nicht lustig!

Der Frühling, dieser ge-x-te Turnbeutelvergesser, der Name kommt wohl doch eher daher, dass man jetzt früher wach wird, weil es eher hell wird!

Ach wisst ihr was – ich baue mir ein Iglu und dann lege ich mich noch mal hin.

Die Mittwochsweisheit, Folge 9

Wisst ihr, was richtig, richtig cool wär? Wenn ich in der Lage wäre, diesen Beitrag so zu formulieren, dass er sich, auf den Kopf gestellt, genauso läse wie Folge 6. Aber das Leben ist halt kein Gnadenhof und deshalb braucht ihr gar nicht erst beginnen, das Tablet rotieren zu lassen. Fällt eh nur runter und dann ist die Uhr kaputt!

Wir hatten gestern übrigens hohen Besuch. Könnte daran liegen, dass wir ganz oben wohnen, aber wenn man diese Zusatzinformation weglässt, wirkt es wichtiger. Deshalb, ganz ohne Zusätze: Wir hatten gestern hohen Besuch!

Es klopfte gegen 18:53 Uhr und sieben Sekunden an der Wohnungstür, was mich in Erstaunen versetzte, da der Nachbar sich derzeit im Urlaub befindet. Schulpflichtige Kinder müsste man haben! Egal. Jedenfalls, ich kletterte aus dem Erstaunen heraus und schlurfte zur Tür, demonstrativ ein Messer in der Hand haltend, denn wir hatten gerade diniert. [Da kann es ja ganz schlimme Missverständnisse geben. „Was wollen Sie?“ – „Dinieren!“ – „Nein! Das sind meine!“ … Aber über illegalen Organhandel mache ich natürlich keine Witze.]

Ich öffnete also die edlen Pforten unserer Bruchb Behausung und blickte auf fusselige graue Socken in ausgetretenen Schlappen, die wohl mal hellblau gewesen waren. Mein Auge kletterte nach oben, streifte eine dunkle Leggins, dann ein helles Shirt und schließlich das Gesicht von der Frau aus dem Nachbarhaus, die uns immer ins Wohnzimmer guckt – im Gegenzug starren wir ihr dafür manchmal in die Küche.

„Guten Tag“, sagte sie. „Hat er sie verlassen?“

Ich überbrückte meinen Denkzeitbedarf mit einem ausgedehnten „Ja hallooooo[…]ooooo Frau … äh … Nachbarin! Wer hat mich verlassen? Wir wohnen immer noch zu zweit hier.“

„Nein, nicht Sie, sie!“ Bedeutungsschwanger blinzelte die Dame in die Untiefen unserer Lebenswelt.
„Ja, sie wohnt auch noch hier, hab ich doch gesagt!“
„Aber was ist mit dem Mann? Den habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen! Also, im Hof. Ähem. Und man macht sich ja so seine Gedanken.“

Ich wusste nicht, ob ich die Dreistigkeit ihrer Neugier amüsant oder entsetzlich finden sollte. Außerdem hörte ich, wie sich das Ohr der Menschin auf die Schwelle gelegt hatte und mit kleinen Läppchen-Hüpfern immer näher herankroch.

„Ach DER, äh, na ja … tragische Geschichte, wissen Sie“, sagte ich schließlich. Das Gesicht der Nachbarin ging in Bereitschaft zu Beileidsbekundungen über und hob schon an, sich am Schicksal der Menschin zu weiden wie diese lilafarbenen Tiere, aus denen die Schokolade kommt. Ich lockte sie mit meinem Zeigefinger zu mir auf Augenhöhe und senkte die Stimme. Das Ohr der Menschin erhob sich in meinem Rücken und setzte zum Sprung an. Die Nachbarin hatte vor Spannung das Atmen eingestellt und bekam einen leicht bläulichen Touch.

„Der gewünschte Gesprächspartner ist vorübergehend nicht zu erreichen“, säuselte ich sanftmütig. „Tut mir leid, da sind Sie wohl falsch verbunden.“

Ein Schnauber der Empörung verließ die Nachbarinnennase [Ha, das wird Wort des Jahres 2016!] und schleuderte ihren Kopf nach oben in seine Ausgangsposition. Wütend schaute sie auf mich herab. Erst jetzt fiel mir auf, dass hinter ihrer linken Schulter ein paar graue Locken hervorsprossen, die unmöglich von ihr selbst stammen konnten.

„Aber sagen Sie, wo Sie gerade hier sind“, begann ich freundlich, „ist unten die Haustür offen oder wie sind Sie hier reingekommen?“

Nach allen Regeln der Kunst düpiert machte die Dame auf dem Absatz kehrt, schnappte sich den ältlichen Mann, der hinter ihr gestanden hatte und rief: „Komm Dietrich, wir gehen!“

Als ich zufrieden zurück ins Esszimmer kam, hatte die Menschin nicht nur ihren eigenen, sondern auch meinen Teller komplett leergegessen und war gerade dabei, mit dem Zeigefinger die restlichen Brotkrümel aufzusammeln.
„Was ist denn hier passiert?!“, fragte ich ehrlich entsetzt. Die Mietzahlerin zog sich schnell eine unschuldige Trauermiene über.

„Na ja … tragische Geschichte, wissen Sie …“

Die Mittwochsweisheit, Folge 7

Die Menschin hat in letzter Zeit des Öfteren schlechte Laune. Das tut mir leid, aber manchmal auch ganz gut. Man kann sie nämlich so schön ärgern, wenn sie schlechte Laune hat. Das ist, als sähe man ein altes Fass, dessen Füllung sich beängstigend weit dem oberen Rand genähert hat, und als hätte man zufällig eine Gießkanne mit ein paar Tropfen dabei, und als gösse man dann … egal. Sobald Diogenes rausspringt und dich verprügelt, macht das ja eh keinen Spaß mehr. Also lassen wir dem Fass seine Krone und kehren zur Menschin zurück. Die kam heute nach Hause und schleifte ihre geschliffenen Mundwinkel drei Meter hinter sich über den Boden. Fand der Boden natürlich auch nicht so toppigaloppi, aber den fragt ja keiner. Den treten alle immer nur mit Füßen.

„Was geht?“, fragte die Menschin jedenfalls mit dem Esprit¹ eines benutzten Zahnseideknäulchens.
Rien ne va plus„, verkündete ich sofort, „heutzutage läuft alles nur noch.“
„Also gut. Wie läuft’s?“
Schön warm am Bein runter Es geht so“, sagte ich, „ging schon besser.“

Die Menschin schaute mich lange an. Ihr Blick schwankte, als habe sie Mühe, zunächst sich und dann mich zu begreifen. Also, rein optisch natürlich.

„Na, dann geht’s ja“, erwiderte sie schließlich und senkte sich der Länge nach auf den Diwan herab. Ihre rechte Hand schnipste nach dem Butler, was ungehört in den weiten Hallen des Schlosses verhallte. (Ja ja, ich habe es natürlich schon gehört, aber der, der es hören sollte, der nicht, weil der nämlich nicht so hörig ist wie ich.)

„Du hast den Butler entlassen“, merkte ich an.
„Wir hatten nie einen Butler“, nölte die Menschin und zeichnete mit den Fingerspitzen ihre Augenringe nach.
„Aber das ist ja quasi, als ob wir ihn schon vor sehr sehr langer Zeit entlassen hätten – zu einem Zeitpunkt, noch bevor wir ihn angestellt haben, sodass er nie tatsächlich für uns gearbeitet hat.“

Wieder versuchten ihre Augen, mich einzukreisen und zu fixieren, aber ich war schneller, sprang in die Küche und hachte ein paar Mäppchen.

„Bring den Wein mit!“, ersuchte mich ihre holde Schnittlauchigkeit.
„Hast du Weltschmerz?“
„Ich? Habe nun ach – Philosophie, Juristerei und Medizin … und leider auch Theologie …“

Oh Gott Goethe! So schlimm schon! Ich rollte unser Notfall-Fässchen aus der Küche bis vor den Diwan und propfte einen Strohhalm hinein. Das heiße Bemühen der Menschin verging im Traubenmost. Diogenes hämmerte von innen gegen das Holz und brüllte was von nächtlicher Ruhestörung. Und gerade, als es so richtig interessant wurde,

[Der restliche Beitrag wurde vom Bundesverband deutscher Philosophenschützer einbehalten. Die brauchen auch mal was zum Mittag. Hugo wird demnächst zum Vorsitzenden gewählt, versprochen!]

¹ Das ist keine Schleichwerbung, sondern ein Fremdwort.

Das Dienstagsding, diesmal: Die Zeitumstellung.

Geneigtes Publikum, bitte richten Sie sich wieder auf, sonst kann ich Ihnen ja gar nicht meinen ganzen Charme in die Augen sprühen. Die dünnen Jahre sind vorbei, der Reichtum winkt aus vollem Halse, auch wenn das eher unangenehm klingt. Ich sage euch, das wird prima!
Endlich habe ich das Problem für meine Lösung gefunden! Und zwar: Ich habe bisher noch kein Theaterstück geschrieben. Doof, was? Nachdem ja eigentlich jedem klar ist, dass
a) das Leben meine Bühne ist,
b) die Menschin ständig Theater macht und
c) für jeden mal der Vorhang fällt,
liegt doch auf der Hand, was zu tun ist. Und da ich ziemlich kleine Hände habe, habe ich auch einigermaßen wenig zu tun. Also lehnt euch zurück oder an euren Nebenmenschen und genießt das Schauspiel.


Szene: Unendliche Weiten, soweit zurechtgestutzt, dass sie auf eine Bühne passen. Zwei Akte tummeln sich in der Mitte des Raumes: die nackte Angst und der blanke Wahnsinn. Sie warten schweigend auf Godot den Bus. Die Zeit donnert herein.

Zeit: Meine Güte, was bin ich heute wieder lang geworden! Habe nun, ach! Vergehen, Erwarten, Kurzweil und leider auch Stillstand durchaus studiert mit heißem Verglühn. Da steh ich nun, ich armer Tropf, und hab noch immer nichts im Kopf.

Der Vorhang fällt. Ein Bühnenmitarbeiter entschuldigt sich und hievt ihn ächzend wieder hoch. Die nackte Angst steckt sich eine Zigarette an. Die Zeit fuchtelt mit großer Geste durch die Luft und lässt ihre unzähligen Arme schließlich sinken.

Zeit: Es ist so kühl, so muffig hie‘! Und eben doch kein Schwan nicht draus! Es wird mir so – ich weiß nicht, wie – ich wollt … Also, mir schwant da jedenfalls nichts Gutes.

Der Bühnenboden öffnet seinen Schlund, hustet kurz und spuckt dann zwei große Hände aus.

Zeit: Oh Schreck, zwei Hände! Jetzt geht’s wohl zu Ände.

Hände: Wir kommen in friedlicher Mission.

Zeit: So nennt euren Auftrag!

Hände: Zweckstand ist widerlos, wir müssen dich umstellen.

Die nackte Angst hustet. Der blanke Wahnsinn lacht schadenfroh. Godot schlurft auf die Bühne, blickt sich irritiert um und geht wieder.

Zeit: Was fällt euch ein! Ihr unverschämten Handlanger!

Hände: Kein Grund, ausfallend zu werden. Wir handeln nur im Sinne des Erfinders. Außerdem kennst du die Prozedur doch schon.

Zeit: Gar nichts kenne ich! Wer hat euch geschickt?

Hände: Schnüffeleien schicken sich jedenfalls nicht.

Die Hände packen die Zeit und stellen sie eine Stunde nach vorn. Fast fällt sie vom Bühnenrand. Im Hintergrund kommt der Bus, doch der Fahrer merkt in der Sekunde, dass er bereits eine Stunde zu spät ist und fährt eilig davon. Der blanke Wahnsinn geht schaukeln. Die Hände huschen davon.

Zeit: Wie wird mir?

Nackte Angst: Vielleicht etwas verrückt?

Die Zeit möchte etwas erwidern, doch der Vorhang fällt erneut. Das Theater schnauft kurz durch und entschwindet dann in einem neuen Zeitfenster. Ende Gelände.


 

Hört auf zu klatschen, ich hör mich ja kaum, Freunde! Was ich eigentlich sagen wollte. Die Zeitumstellung ist für viele Menschen ein Problem. Nicht nur die Menschin pendelt seither durch die Bude wie ein Kind nach einer Stunde auf dem Trampolin. Und alles nur, weil die Zeit sich ohne erkennbare Motivation selbst verschlingt!
Nicht, dass euch mein Beitrag dazu jetzt weiterhelfen würde. Aber wartet nur, bis ich berühmt geworden bin. Das X wird sich dann schon zu helfen wissen! Und bis dahin nehmt euch lieber mal etwas Zeit für euch. Aber bitte kühl und trocken lagern.

Nach Naja naht natürlich Narkose.

Wunderliches Land, welches mich gerade freudig wieder ausspuckte! Es käute mich geradezu wieder. Es spie und mir ward es zuwider. Also jedenfalls: Ich war im Urlaub, keiner war da, ich kam zurück. Hallo Welt. Mein Name ist Hugo – das X steht für Gefahr!

Ich weiß nicht, ob sich noch jemand an die Elende [ja, das muss in der Mehrzahl stehen!] erinnert, die ich während der Frankfurter Buchmesse auszustehen hatte. Was macht also die Menschin? Schleppte mich in den vergangenen Wochen gleich noch zu zwei weiteren Buchmessen! „Aller guten Dinge sind drei“, flötete sie. Mein Argument, dass dreimaliges Nichtfahren auch gut gewesen wäre, wurde gnadenlos ignoriert.
Ich glaube ja, dass sie manchmal heimlich hier mitliest, einzig um zu erfahren, womit sie mir auch in Zukunft garantiert keine Freude machen kann. Da muss ich mir wirklich noch sehr stark überlegen, ob sie zu Weihnachten ein Quokka bekommt!

Aber davon abgesehen sind mir in der weiten Welt natürlich ein paar interessante Dinge begegnet. Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Mülleimer in Österreich eigene Telefonnummern haben?

Mist

Und dass Dürers Flauschehase, der immer von nichts weiß, eigentlich ein echter Trendsetter ist? Und dass die Dinos gar nicht tatsächlich ausgestorben sind?

Hase  Dino

Tja, da seht ihr mal, Kinder! Im Internet kann man noch was lernen! Die Menschin rieb mir das natürlich auch alle naselang unter mein Auge, dass es doch so toll sei, herumzukommen und etwas Neues zu sehen und so weiter. Ich sagte ihr, wenn ich etwas Blödes zu erledigen hätte, dann wäre ich auch froh, da drumrumzukommen. Sie sagte, ich sei nicht ernstzunehmen. Ich sagte, sie solle mich gefälligst auch als Hugo nehmen. So kam eines zum anderen und schließlich – und jetzt nehmt aber mal die Tränendrüsen zusammen – schließlich setzte sie mich drei hungrigen, an ein ungefähr 5.000 Jahre altes Spiel erinnernden Endgegnern aus!

Pacman

Jetzt sagt mal ehrlich: Muss ich mir das gefallen lassen? Nur weil ich langsam überall Fransen kriege? Unglaublich ist das. Unglaublich.
[Selbstverständlich habe ich den Kampf gewonnen. Es war mir gar ein Leichtes. Wer dem X einmal ins Fadenkreuze schaute, der scheut auch eine Horde Päkmänner nicht. Aber es geht hier ums Prinzip!]

Unabhängig davon lernte ich neulich eine Tierart kennen, von der ich mir vorher keinen Begriff gemacht hatte: die Naja. Die Menschin sagt ja ständig „Naja“, wenn sie meint: „Och eigentlich hab ich da jetzt keinen Bock drauf.“ Der Duden kennt dieses Wort nicht, „na ja“ erlaubt er nur als nachdrückliches „ja“, und ich frage mich, wie die Menschin sich dazu aufschwingen kann, ständig Giftnattern auf den Lippen zu führen! Andererseits, wenn man überlegt, was am Ende bei rauskommt, erklärt das so einiges …
Jedenfalls. Wenn ihr mal einer Brillenschlange begegnet, dann ruft „Naja naja!“ und sie wird so verwundert sein, dass ihr ihren vollen Namen kennt, dass ihr Gelegenheit bekommt, der Kobra die Brille abzunehmen! Damit ist dann alles wieder sicher. Soweit zu Hugos Überlebenstipps Folge 862.

Das Recht hat immer eine Oma.

Es war vor gar nicht mal SO langer Zeit, da tingelte ich hier durch die Gegend auf der Suche nach einem Nebenjob. Mein Besuch beim Arbeitsamtmann in seinem schönen Arbeitsamtmannbüro, bei dem der Arbeitsamtmann sympathisch mit dem Arbeitsamtmannbürostuhl wippte, liegt ja nun schon eine Weile zurück, aber weder Weltruhm noch Dagobert’scher Reichtum haben sich eingestellt, deshalb beschloss ich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Der Spielwarenladen wollte mich lieber ins Sortiment nehmen als einstellen, die Frauen aus dem Dekoladen sahen mich verständnislos an und der nette Herr im Buchladen meinte, sobald er eine neue Koboldstelle freihat, ruft er mich an. Kurz bevor ich meinen Mut endgültig verlor, nahm ich noch einmal Anlauf und torkelte mit unvergleichlicher Eleganz in den Zeitschriftenwarenladen. Die Rechnung ist ja ganz einfach: Viele Menschen wollen Zeitschriften oder Zigaretten haben, also braucht der Zeitschriftenwarenladen auch viel Personal. Dachte ich mir so. Ich sagte mein Sprüchlein auf, dass ich eigentlich Filmstar werden wollte, dann Online-Journalist und dass ich jetzt Teilzeitkindergärtner für Sonnenblumen bin, womit man aber auch nicht besonders weit kommt [im Prinzip immer nur auf den Balkon] und dass ich jetzt deshalb eine Ergänzung zur Reichtumsgewinnung benötige. Die Dame schaute für den Bruchteil einer halben Sekunde über den Rand ihrer randlosen Brille [Finde den Fehler im rechten Bild!] und sagte dann, begleitet von einem gutturalen Seufzen:

„Nur, wenn Sie eine Lotto-Ausbildung haben!“

Ich wusste nicht sofort, was ich darauf erwidern sollte. Ihre Aussage und die Art, wie sie sich äußerte, legten mehrere Dinge nahe:

a) Scheinbar kommt jeden Tag fünfmal ein kleiner gelber Kobold zur Zeitschriftenwarenladentür herein und fragt nach einem Nebenjob.
b) Scheinbar sollte jeder kleine gelbe Kobold, der sich um einen Nebenjob bewirbt, vorher wissen, dass er für einen solchen eine Lotto-Ausbildung haben muss.
c) Scheinbar gibt es tatsächlich Wesen auf dieser Erde, die wissen, was eine Lotto-Ausbildung ist!

Schließlich entschied ich mich zur höflichen Rückfrage, was denn eine Lotto-Ausbildung sei. Damit ich es beim nächsten Mal besser wisse oder mich entsprechend weiterbilden könne.

„Na eine Ausbildung am staatlichen Lotto-Automaten!“

Ich schaute die Dame ernst und eindringlich an, in etwa so:

Ernst

… und teilte ihr mit, dass ich mit derlei Qualifikationen leider nicht dienen könne. Aber ich werde mich um ein Praktikum bei der Lotto-Fee bewerben.

Nun habe ich also noch immer keinen Nebenjob, aber dafür eine neue Passion: Ich werde Bäcker! Als die Menschin neulich nicht zu Hause war, habe ich nämlich probehalber mal eine Handvoll Mehl, Hefe, Sauerteig, Salz und Wasser zusammengeworfen und siehe da, es ist Folgendes passiert:

Brot

Da hat die Menschin aber Augen gemacht, als sie heimkam! Ich habe Auge zurückgemacht, damit sie nicht allein so blöd guckt, und dann haben wir uns den Bauch vollgeschlagen, also eigentlich eher so sie sich, aber geteilte Freude ist ja doppelt und Laber-Rhabarber.

Worauf ich aber eigentlich hinauswollte. Heute kam mir der durchschlagende Geistesblitz [Ein Glück ist Geistesdonner seltener. Der macht nämlich Kopfschmerzen.], dass man den Satz „Oma hat immer recht“ getrost auch umstapeln kann zu „Recht hat immer Oma“. Denn einerseits hat jede Rechtsform irgendwelche Urväter, von denen man heute noch Pamphlete lesen kann und die wiederum sicher eine Mutti hatten, und zweierseits ist jede Oma immer im Recht, egal was sie so erzählt. Das Recht hat also eine Oma und Oma hat immer recht [ja, das schreibt man wirklich klein, empfiehlt jedenfalls der Duden]. Und wenn Oma sagt, es steht ein Herd auf der Kur, dann stimmt das! Oder man hört schlecht, das ist auch immer eine Option.

Übrigens – und das nur als abschließender Hinweis: Gestern gab es einen dollen Mond. Der war so groß und rund und klar und schön, da wurde bald das X in die Pfanne gedrückt!

Doller Mond