Das Dienstagsding, diesmal: Kunst.

Die Menschin hatte sie wieder einmal – ungefragt und ungewaschen saß sie neulich mit bei uns am trauten Frühstückstisch: die Krise. Eigentlich war es mein Fehler, denn ich hatte Eierkuchen gemacht („Pancakes“ gibt es bei uns nicht mehr, weil die neue Pfanne kein Englisch kann) und das hat die Krise wohl angelockt. Lässig schwang sie sich durch’s Küchenfenster herein und kollidierte fast mit dem entfleuchenden Eierkuchen-Mulm, wich fluchend aus und schmetterte ihren dürren Knochenpopo ungefragt auf einen gut gepolsterten Stuhl.

Die Menschin kam herangeschlichen, kämpfte sich Meter um Meter durch das dröhnende Gegenlicht und ließ sich schließlich auf ihren Platz fallen, während ich noch mit der Pfanne jonglierte. Mit dem rechten Fuß reichte ich ihr eine Tasse Tee und warf ihr aus dem Mundwinkel ein Lächeln herüber. Die Menschin gähnte derart, dass ihr Morgenmantel noch lange nachwehte … Aber ich komme hier ja ganz vom Thema ab.

Also, was ich eigentlich sagen wollte. Es dauerte genau 1,692 Eierkuchen, bis sie die Krise bemerkte, die unbeteiligt an ihrem Appetit nagte.
„Was willst du hier?“, fragte sie überrascht und ein wenig zander barsch, doch die Krise zog nur pfeifend Luft durch die Schneidezähne und ließ sich dann zu einem Grinsen herab. Die Menschin legte ihr Besteck zur Seite. Ich legte die Ohren an. Ein Grasballen fegte durch die Küche und verglühte im Gleißen der Morgensonne. In der Ferne bellte ein Hund. Brutus-Jolanthe seufzte vor der Tür.

„Ich komme mit einer Frage“, versetzte die Krise schließlich.
„Ich werde dich nicht daran hindern, mit deiner Frage auch wieder zu gehen“, gab die Menschin zurück. Sie schien nicht gerade … amüsiert. Die Krise fragte trotzdem.

„Welche Berechtigung kannst du eigentlich vorweisen, den lieben langen Tag nichts Sinnvolles zu tun und stattdessen Kunst zu ‚machen‘?“

Eine Fliege versuchte unauffällig, das knappe Eierkuchendrittel der Menschin an sich zu reißen, doch die Zunge der Krise war schneller. Genüsslich lutschte sie ein Fliegenbein nach dem anderen. Als sie sah, dass die Menschin jegliche Antwort schuldig zu bleiben gedachte, nahm sie einen Hut von der Wand, setzte ihn sich aufs Haupt, um ihn direkt wieder zu lüften und kommentarlos die Regenrinne hinabzurauschen. Weg war sie! Heiliges X, das war knapp gewesen. Doch die Menschin schaute nicht gerade ritterlich drein.

„Was soll man dazu sagen?“, fragte sie mich, MICH!, und betrachtete zagend den Grund ihrer Teetasse. Ich zuckte die Schultern. „Eigentlich hat sie doch gar nicht recht“, versuchte ich vorsichtig, eine Wogenglättung anzusteuern. „Schließlich machst du doch gar keine Kunst.“

Nun, das Glätten ohne Plättbrett ist in den seltensten Fällen eine faltenfrei gute Idee. Doch ich bemerkte es erst, als sich der Blick der Menschin bereits in einem ungesund intensiven Stadium auf mir gebündelt hatte und sie augenscheinlich versuchte, mich ohne Retourschein zum Teufel zu … „Heiliger Bimbam, da bin ich wieder!“, krähte es da noch einmal durch das Fenster herein. „Ich hatte vorhin etwas vergessen. Du sollst die Frage bitte beim Nachbarn abgeben, ok? Ich stecke ihm auch einen Zettel in den Briefkasten!“

Das Dienstagsding, diesmal: Spinnen.

Wir haben jetzt ein neues Haustier, die Menschin und ich. Es ist eher ihr Haustier, weil es

a) kein besonders renommiertes Tier ist, weshalb ich es ihr nicht neide und
b) vor ihrer Wohnung wohnt – und man soll ja immer vor der eigenen Haustür kehren.

Und zwar, also, wie sagt man das charmant und nonchalant, ohne die Damen im Publikum der Ohnmacht in die Arme zu treiben … es ist eine Wachspinne. Bildmaterial erspare ich euch, weil sie auf Fotos immer die Augen geschlossen hat. Und das sieht ja nicht aus!
Sie sitzt im Türrahmen der Wohnungstür, von außen gesehen in der oberen linken Ecke, und chillt sich da einen. Und sie wacht. Ob sie uns allerdings be- oder überwacht, das konnte ich noch nicht endgültig abklären.

Ich habe die Wachspinne zur Sicherheit Brutus-Jolanthe getauft, da man sich nie sicher sein kann, mit wem man es da eigentlich zu tun hat. Aber ehe ich hier weiter nach dem Dativ frage, was am Ende eh wieder keinen interessiert – zumal der Dativ seit der Genitiv-Emanzipation ja einen dezent schlechten Ruf wegbekommen hat -, wenden wir uns mal wichtigeren Dingen zu: der Spinne an sich.

Das „Ding an sich“ ist, wie wir seit verkanteten Zeiten wissen, etwas, das auch ohne die Wahrnehmung durch ein Subjekt existiert. Auf gut Deutsch: Es ist da, egal, ob wir das wissen oder nicht. Dem Ding an sich ist das völlig schnuppi! Es ist ihm sogar lieber, vom Subjekt ignoriert zu werden, da es sonst chancenlos zum Objekt degradiert würde, zu einem Gegenüber, das betrachtet und untersucht werden könnte … und damit auch für Staubsauger oder Badelatschen angreifbar wird! Welchem Paradebeispiel könnte dies gefährlicher erscheinen als einer Spinne? Richtig, zwei Spinnen. Aber wir wollen mal die Kirsche im Korb lassen.

Seit ich das Rätsel um die philosophische Herkunft der Arachnoiden (Tjaha, ich kann auch gebildet tun!) gelöst habe, ist mir so einiges klar geworden. Kennt ihr das nicht auch, dass ihr wochenlang unbedarft durch eure Gemächer schreitet, immer die gleichen Wege entlang, immer mit derselben wohlig-kuschligen Gewissheit, dass es in eurer Residenz nichts gibt, was eurer Eudämonie im Wege stehen könnte … und am Tag X – der Name ist Programm – sitzt ausgerechnet in einer Ecke, die seit dem letzten Millenniumswechsel rein und unberührt war wie der erste Neuschnee, also, oha, ich verheddere mich wie in einem Netz in diesem Schachtelsatz, in der Ecke jetzt also, da sitzt mir nichts, dir nichts ohne jede Vorwarnung … plötzlich eine Spinne!
„Himmel, X und Zwirn!“, denkt ihr euch. „Das kann doch nicht sein, die war doch vor einer Sekunde noch nicht dort! Und ich habe doch weder Türen noch Fenster, genau genommen wohne ich zehn Meter über dem Erdkern, ES IST VÖLLIG UNMÖGLICH, dass sich diese Spinne dort jetzt materialisiert!“

Ja, das denkt ihr, aber ihr habt die Rechnung ohne Miss Achtbein gemacht. [Der doch egal, was ihr für unmöglich haltet! Die fährt Toyota!] Lässig schlägt sie zwei ihrer Extremitäten über zwei andere, führt eine Zigarettenspitze zwischen ihre Hauer und säuselt lüstern: „Beim Immanuel, jetzt machst du mich aber zum Objekt!“

So ähnlich war das auch bei Brutus-Jolanthe und die Menschin befand sich bereits knapp an der Grenze, sich zu devitalisierenden Maßnahmen hinreißen zu lassen … aber die Sache ist nun die:

a) Brutus-Jolanthe raucht nicht.
b) Sie wohnt im Treppenhaus, also außerhalb unseres Hoheitsgebietes.
c) Sie wacht über uns. Seit ihrer Anwesenheit wurden wir kein einziges Mal überfallen!
d) Sie grüßt immer freundlich. Und es ist schon ein gutes Gefühl, wenn du nach Hause kommst und jemand wartet auf dich.

Also haben wir Recht vor Ungnade ergehen lassen und uns arrangiert. [Vielleicht können wir die Hausordnung auf sie abwälzen, wenn sie so lange hier ist, dass sie quasi als eingebürgerter Hausmitbewohner gelten könnte.] Vorerst mache ich auch keine blöden Witze mehr darüber, wenn die Menschin mal wieder ausruft: „Ich glaube, ich spinne!“

Das Dienstagsding, diesmal: Hut ab!

Intro: Sämig säuselt da de Saussure: „Die Sprache ist von allen sozialen Einrichtungen diejenige, welche am wenigsten zur Initiative Gelegenheit gibt.“¹ 
Potzblitz, diese Ansage muss einem jeden, der auch nur einigermaßen gewitzt gestrickt ist, doch die förderlichste Herausforderung sein! Also ergreife ich heute einmal mehr die Initiative …

Schon unser aller Kästner wusste, wie wichtig Kopfbedeckungen auch metaphorisch für Kinder und Erwachsene sind. Da der liebe Erich an einem 23. Februar geboren worden ist, möchte ich mich nun auch endlich diesem bedeutsamen Thema widmen.

Dass ich mein karges Haupt mal mit einem anständigen Deckel versiegeln dürfte, kann ich mir natürlich an den Hut stecken. [Vgl. Abbildung oben.] Ich muss nicht erwähnen, wer hier in Hugos Lebens- und Entfaltungsraum den Hut aufhat, weshalb ich mich immer im angemessenen Maße auf der Hut befinde. „Hüte dich“, rief die Menschin neulich morgens im Bad durch einen Zahnpastaschaum, „vor schwarzem Tee, der macht die Zähne gelb.“ Ich parierte mit einem Aufschrei nach politischer Korrektheit, den sie ungerührt mit im Waschbecken ertrinken ließ, aber ich schweife ab.

Der durchschnittliche SchildBildungsbürger wächst durchaus schneidig und einigermaßen gut behütet auf. [Eine konsequente Bedeckung von Kopf und Nacken ist bei im Freien spielenden Kindern übrigens unerlässlich, um einen Sonnenstich zu vermeiden. Haben wir bei der Ersten Hilfe gelernt. Außer es regnet. Aber Regentänze haben wir ja nicht gelernt.] Einst gab es Zeiten, da verlangten kleine Jungen: „Ei, Vater, sieh den Hut dort auf der Stange!“ Schillernde Zeiten waren das, aber meistens endete es ja doch in Apfelmus. Und ist das Kind erst ruiniertmissgestimmt, so musst du zusehen, dass du etwas Schönes aus dem Hut gezaubert bekommst, sodass dem Kind deine Obhut nicht allzusehr verleidet wird. Sonst wirst du bald deinen Hut nehmen müssen!

Aber ich habe ja an und für sich mit Kindern nichts am Hut, weil die Menschin steif und fest behauptet, noch kleiner könne sie nicht häkeln. Was mit diesem „noch kleiner“ angedeutet wird, also, da könnte mir ja die Hutschnur reißen, denn ich kann doch nichts dafür, dass ich so bin, wie ich bin! Hätte sie sich halt die Telefonzelle von nebenan einstricken lassen und nicht ihr kleines olles superschlaues mobiles Endgerät, dann würden wir hier aber mal ganz andere Saiten aufziehen! Doch ihr wisst, wenn der Dame erst der Hut hochgeht, dann ziehen am Weltgeschehen Szenen vorbei, in deren Folge ich so klein mit Hut bin, weil ich wieder eins auf den Deckel gekriegt hab, davor kannst du dann nur den Hut ziehen!

Aus diesem und anderen Gründen empfehle ich, im Zweifel auch divergierende Köpfe unter einen Hut zu bringen, wenngleich diese Weisheit ein furchtbar alter Hut ist.

So greife ich zum Maletot
und schwenke fröhlich meinen Po
und rufe freundlich aus: Chapeau!


 

 

¹ Bally, C. und Sechehaye, A. (Hrsg.): Ferdinand de Saussure: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Walter de Gruyter & Co., 2. Auflage, Berlin 1967, S. 86.

Das Dienstagsding, diesmal: Erste Hilfe

Die Menschin kann jetzt Erste Hilfe. Jahaaa. Kann die nämlich. Und was die sich darauf einbildet, da fällst du bald drüber in Ohnmacht und lieferst ihr direkt die Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen. Aber das will ja keiner. Wenn du einer Frau das Gegen ihres Teiles beweist, dann bist du entweder ein Macho oder ein Rechthaber oder ein Lügner, aber auf jeden Fall wird dir die Anerkennung verwehrt, die dir mehr gebührt als andere Gebühren. Aber ach. Ich schweife ab.

Wir mussten uns also zu einer Zeit, in der die Vögel sich im Nest noch einmal rumdrehen, um sich so richtig einzumummeln, es war gegen acht Uhr morgens, in einem Bürogebäude einfinden, das auch noch eine hübsche Anzahl anderer Hilfsscheinbedürftiger gefunden hatte, und dann saßen wir da erstmal im Kreis. Eigentlich hätte es ein U sein sollen, aber das X schwebte mal wieder über allem: Es waren so viele gekommen, dass das U spontan seine Extremitäten zum O verband, sodass wir hübsch im Kreis das Verbinden lernen konnten. Ich fand das ja an sich gar nicht mal so tragisch, da wir zwischen Damen saßen, denen ich gern wechselweise auf den Zahn oder am Puls der Zeit was fühlen wollte. Räusper.

Die Ausbilderin strahlte, redete schneller als eine aufgeregte Siebenjährige und würzte ihren Informationsschwall mit Weisheiten wie: „Nur, was nach unten fiel, ist steril!“ … Nun. Man könnte sagen, wir haben viel gelernt, aber man soll ja nicht lügen. Auf jeden Fall kann ich jetzt die stabile Seitenlage, auch wenn sie nicht so stabil ist, wie sie sich auch nicht anfühlt:

Seitenlage

Und natürlich glänze ich auch in der stabilen Bauch- und Rückenlage. Tja Leute – Training, Training, Training!

Bauchlage Rückenlage

Aber das nur am Rande. Als wir nach sechseinhalb Stunden den gläsernen Turm der Errettung wieder verlassen durften, war uns derart blümerant, dass wir uns nicht einigen konnten, wer an wem zuerst seine Kenntnisse der Reanimation ausprobieren sollte. Es endete in einer handgreiflichen Auseinandersetzung, die um ein Haar mit einer Aussetzung meinerseits geendet hätte, weshalb mir nichts weiter übrig blieb als klein beizugeben, um eine etwaige Beisetzung zu verhindern. Wir legten also lieber bei und gingen nach Hause.

„Alkohol ist schlecht“, dozierte die Menschin eine etwa einhundertzwanziggliedrige Minutenkette später vor dem heimischen Kühlschrank und machte sich einen Wein auf. „Und Zucker ist auch nicht gesund!“, legte sie nach und sich einen Schokoriegel auf die Zunge. „Aber ich hab ja jetzt einen Schein. Der gilt für dich mit. Du kannst mich dann also bei Gelegenheit mal retten“, beendete sie ihren Vortrag und den laufenden Tag und verschmolz für eine scheinbare Ewigkeit mit der Ottomane neben dem Flügel.

Heiliges X, das du bist in meiner Umlaufbahn, verhindere ihre Vorhersage. Sonst wird nicht nur dem Wetter demnächst wieder schlecht. Hicks.

Das Dienstagsding-Ersatz-Gedicht

Hugo war heute für eine Stellungnahme leider nicht zu erreichen. Die Stellung bleibt ihm daher unbenommen. Als Trost für die Fans morste er aber wenigstens einen lyrischen Genuss durch den Äther.

Das Schlafschaf

Es war einmal ein Schaf,
das dichtete im Schlaf.
Der Schlaf, das war ein toller Ort,
drum wollt‘ das Schaf dort niemals fort.

Doch leider kam das Sonnenlicht
und ließ das Schäfchen schlafen nicht.
So ward es bald sehr müde
und schimpfte laut und rüde.

Da brach zum Glück die Nacht herein
und Schaf ließ die Tiraden sein.
Es ging zu seinem Freund, dem Bären
und ließ sich Mitternacht verzehren.

Das Dienstagsding, diesmal: Die Zeitumstellung.

Geneigtes Publikum, bitte richten Sie sich wieder auf, sonst kann ich Ihnen ja gar nicht meinen ganzen Charme in die Augen sprühen. Die dünnen Jahre sind vorbei, der Reichtum winkt aus vollem Halse, auch wenn das eher unangenehm klingt. Ich sage euch, das wird prima!
Endlich habe ich das Problem für meine Lösung gefunden! Und zwar: Ich habe bisher noch kein Theaterstück geschrieben. Doof, was? Nachdem ja eigentlich jedem klar ist, dass
a) das Leben meine Bühne ist,
b) die Menschin ständig Theater macht und
c) für jeden mal der Vorhang fällt,
liegt doch auf der Hand, was zu tun ist. Und da ich ziemlich kleine Hände habe, habe ich auch einigermaßen wenig zu tun. Also lehnt euch zurück oder an euren Nebenmenschen und genießt das Schauspiel.


Szene: Unendliche Weiten, soweit zurechtgestutzt, dass sie auf eine Bühne passen. Zwei Akte tummeln sich in der Mitte des Raumes: die nackte Angst und der blanke Wahnsinn. Sie warten schweigend auf Godot den Bus. Die Zeit donnert herein.

Zeit: Meine Güte, was bin ich heute wieder lang geworden! Habe nun, ach! Vergehen, Erwarten, Kurzweil und leider auch Stillstand durchaus studiert mit heißem Verglühn. Da steh ich nun, ich armer Tropf, und hab noch immer nichts im Kopf.

Der Vorhang fällt. Ein Bühnenmitarbeiter entschuldigt sich und hievt ihn ächzend wieder hoch. Die nackte Angst steckt sich eine Zigarette an. Die Zeit fuchtelt mit großer Geste durch die Luft und lässt ihre unzähligen Arme schließlich sinken.

Zeit: Es ist so kühl, so muffig hie‘! Und eben doch kein Schwan nicht draus! Es wird mir so – ich weiß nicht, wie – ich wollt … Also, mir schwant da jedenfalls nichts Gutes.

Der Bühnenboden öffnet seinen Schlund, hustet kurz und spuckt dann zwei große Hände aus.

Zeit: Oh Schreck, zwei Hände! Jetzt geht’s wohl zu Ände.

Hände: Wir kommen in friedlicher Mission.

Zeit: So nennt euren Auftrag!

Hände: Zweckstand ist widerlos, wir müssen dich umstellen.

Die nackte Angst hustet. Der blanke Wahnsinn lacht schadenfroh. Godot schlurft auf die Bühne, blickt sich irritiert um und geht wieder.

Zeit: Was fällt euch ein! Ihr unverschämten Handlanger!

Hände: Kein Grund, ausfallend zu werden. Wir handeln nur im Sinne des Erfinders. Außerdem kennst du die Prozedur doch schon.

Zeit: Gar nichts kenne ich! Wer hat euch geschickt?

Hände: Schnüffeleien schicken sich jedenfalls nicht.

Die Hände packen die Zeit und stellen sie eine Stunde nach vorn. Fast fällt sie vom Bühnenrand. Im Hintergrund kommt der Bus, doch der Fahrer merkt in der Sekunde, dass er bereits eine Stunde zu spät ist und fährt eilig davon. Der blanke Wahnsinn geht schaukeln. Die Hände huschen davon.

Zeit: Wie wird mir?

Nackte Angst: Vielleicht etwas verrückt?

Die Zeit möchte etwas erwidern, doch der Vorhang fällt erneut. Das Theater schnauft kurz durch und entschwindet dann in einem neuen Zeitfenster. Ende Gelände.


 

Hört auf zu klatschen, ich hör mich ja kaum, Freunde! Was ich eigentlich sagen wollte. Die Zeitumstellung ist für viele Menschen ein Problem. Nicht nur die Menschin pendelt seither durch die Bude wie ein Kind nach einer Stunde auf dem Trampolin. Und alles nur, weil die Zeit sich ohne erkennbare Motivation selbst verschlingt!
Nicht, dass euch mein Beitrag dazu jetzt weiterhelfen würde. Aber wartet nur, bis ich berühmt geworden bin. Das X wird sich dann schon zu helfen wissen! Und bis dahin nehmt euch lieber mal etwas Zeit für euch. Aber bitte kühl und trocken lagern.

Das Dienstagsding, diesmal: Verführung

Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne. Die sieben Söhne sagten: „Vater, erzähl uns eine Geschichte!“ Und der Mann fing an: Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne …

Thihihi, kleiner Scherz. Jetzt hattet ihr schon Angst, was? Beim heiligen X, habt ihr gedacht, jetzt erzählt der Märchenkobold tatsächlich schon echte Märchen, und dann auch noch welche, die sich stets im Kreis drehen! Ein Perpetuum-mobile-Märchen quasi, das sich so lange selbst wiedererzählt, bis die Zuhörer um Gnade winseln und ein Aufhören begehren, doch was man einmal angefangen hat, das fängt einen im Gegenzug oft gleich mit weg und dann ist ein Freikommen schwer, tjaha!

Hm, irgendwie habe ich heute Morgen einen morbiden Schluck Tee erwischt. Räusper. Kommen wir mal zur Sache.

Die oben angefangene nie endende Geschichte müsste ja eigentlich so gehen: Es war einmal ein Hugo, der hatte eine Menschin. [Nein, NICHT andersherum! Hier bin immer noch ich der Boss, auch wenn sie den Strom bezahlt. Ich habe schließlich keine Füße unter ihrem Tisch, ha!] Die Menschin sagte: „Hugo, bring doch mal den Müll raus! Und dann bring doch gleich die Zeitung mit hoch. Und Hugo, kannst du den Abwasch übernehmen?“ Hugo antwortete: „Aber Menschin, ich bin doch auf heißes Wasser allergisch. Du weißt, dass ich Angst vor dem Schrumpfen habe!“ Doch die Menschin entgegnete frauisch: „Und du weißt, dass ich allergisch auf Ausreden bin! Vielleicht sollte ich dich in einen Turm sperren, und dann kannst du dir aber mal die Haare wachsen lassen!“ Also streute Hugo sich auf dem Weg zum Müll eine Spur aus Brotkrumen und stahl nebenbei im Nachbarsgarten noch ein paar Rapünzchen … Nee, Moment. Er verschluckte einen Apfel, stolperte und landete auf sieben Zwergen! Jedenfalls wusste er, er durfte diese eine Kammer nicht öffnen. Und dann stand da noch ein Esel rum und neben ihm ein toll gedeckter Tisch. Aber warum hatte der Kater unter dem Tisch denn Stiefel an? Und lugte ihm da tatsächlich ein vergoldetes Froschbein aus dem Maul?

Brechen wir an dieser Stelle lieber ab, ich schweife ja schon wieder vom Thema weg wie ein schlechter Schwimmer vom Ufer. Was ich eigentlich sagen wollte – und vielleicht begründet das auch meinen sehr gut kontrollierten und im Zaum gehaltenen Unmut gegenüber der Menschin heute Morgen … [Wenn sich Mut mit Unmut paart, was kommt dabei heraus? Nmut? Hm.] Ich stehe so in der Küche und mache meinen Morgensport, während der Tee zieht, da fällt mein Auge plötzlich nach rechts auf das Schränkchen, auf dem die Teekanne wohnt. Potzblitz, denke ich, da ist ja jemand Neues eingezogen. Eine Kleingruppe! Die leckerste Kleingruppe, die mein Blick jemals das Glück hatte zu berühren! Heiliges X, da habe ich gewusst, was Liebe ist. Ich stürze hinüber zu den Begehrten, stelle mich vor, stelle mich dann dahinter, sinke auf die Knie, dann auf den Hintern und verliere mich in Seligkeit und Duft und Wonne.

Tartelettes

Sie haben „Papa“ zu mir gesagt! Alle! Ich taufte sie Gerold, Herold, Jörg und Dörk und machte mich gerade daran, Herold an den Mürbeteigkragen zu gehen, da riss mich eine höhere Macht am SchneewittSchlawittchen nach oben und entfernte mich vom jüngst gewonnenen Glück.

„Was machst du da?“, wütete die Menschin.

„Ich äh … wollte mich mit meinen neuen Freunden bekannt machen?“, reagierte ich souverän und schlagfertig. Sie ließ sich nicht täuschen und atmete auf erhöhtem Pulslevel, was mich zu einer unterwürfigeren Methode zwang, um nicht von ihr fallen gelassen zu werden:

„Sie haben mich verführt! Kennst du das nicht, entzückende Menschin, Verführung? Du läufst schön geradeaus deinen Weg entlang und plötzlich – ZACK! – steht der Wolf am Wegesrand und lockt mit Blümchen und Törtchen. Und auf einmal gibst du die Führung ab und läufst einfach so mit, weil du so viel entspannter die Landschaft betrachten kannst, und dann ist die Verführung ja quasi schon, also, gar nicht mehr weit, sondern eher nah, also im Prinzip da, und dann sind deine Chancen ja sozusagen wieder weg, genauso wie der Weg! Tja und dann guckste. Ich kann also nur sagen -„, in einer dramatischen Pause holte ich Luft und zum letzten Schleimschlag aus, „… danke, dass du mich gerettet hast. Vielen Dank. Magst du ein Törtchen?“

Die Menschin ließ sich tatsächlich vorführen und setzte mich besänftigt auf eine Sänfte die Theke ab. Puh! Aber ich sage euch, Frauen sind nicht so leicht zu bedienen wie eine Boeing 747. Ein Grinsen schlich sich in ihr fein konterndes Konterfei.

„Ich denke, Hugo, um dich der Verführung zu entheben, gebe ich dir etwas Unterstützung an die Seite.“

Sie griff nach einer Paprikaschote, die sich bis dahin im Hintergrund gehalten hatte, und erklärte, sie brauche das Gemüse für’s Mittagessen dann bitte in kleinen Würfeln. Ich widersprach, dass ich dem Glücksspiel abgeschworen habe, doch die Menschin hörte nicht darauf. Sie war schon der Küche entrauscht und ließ mich mit Dr. Pap, wie er sich nannte, allein. „Gelobt sei das X“, sagte ich zu ihm, „harren wir einfach der Dinge, die da kommen!“

Paprika

PS.: Falls jemand wie ich der Verführung erlegen ist:
360 g Mehl + 40 g Kakao + 200 g Butter + 80 g Zucker + 1 Ei + 1 Prise Salz zum Mürbeteig verbauen. [Oder, wer’s hell mag, 400 g Mehl und 0 g Kakao – und der ganze Rest.] In 12 etwa gleich große Teile rupfen, diese jeweils ausrollen, in gut gebutterte Tartelette-Formen einpassen und mit einer Gabel ein paar mal piksen, hihi. Dann 18 Minuten bei 180 °C Ober-/Unterhitze schmoren lassen. Nach dem Abkühlen aus der Form werfen – aber zärtlich! Pudding kochen, schön heiß draufmatschen, mit Obst bedecken. Und dann alles sehr, sehr gut … verstecken.

Das Dienstagsding, diesmal: Des Frühlings Erwachen

Gut Freunde, den alten Hut zuerst: Was ist das Gegenteil von Frühlinkserwachen? Jawoll: Abendsrechtseinschlafen! Was haben wir wieder gelacht.
Davon abgesehen muss ich sagen, da draußen ist ja ganz schön was los momentan. Das ist ein Sturm, dass man direkt den Drang folgen lassen möchte; ein gefährlich verwehender Wind, der das blaue Frühlingsband ja eher steifbrisig durch die Kante prügelt, anstatt es laulüftig über den Krokus-Armeen flattern zu lassen. Mein lieber Herr Gesangsverein! Aber schön ist das ja schon. Ich habe mich sogar dazu hinreißen lassen, vorhin zur Tagesbeginnung zunächst ein Sonnenbad zu nehmen.

Sonne

Ich hab richtig Farbe bekommen, merkt ihr? Wenn das so weitergeht, muss ich die Menschin anhauen, mir eine Badehose zu häkeln. Aber die hat derzeit mal wieder andere Dinge im Kopf. Der Balkon soll neu bepflanzt werden, jetzt wo die Eisblumen endgültig nicht mehr zu wachsen scheinen.
Natürlich musste ich da erst einmal einen längeren Diskurs über die Seelen der letztjährigen Balkonpflanzen vom Zaun brechen und wäre fast über selbigen hinabgesegelt. Mein Vorschlag, einfach die beinahe bereits fossilisierten Restpflanzen in den Kästen neu anzumalen, wurde natürlich mal wieder nicht erhört.
„Das Leben muss jedes Jahr neu entstehen“, unsinnierte die Menschin und notierte sich zu besorgende Dinge auf einen Zettel. Ob wir wenigstens auch Kakaobohnen anpflanzen könnten, fragte ich, und wie es dieses Jahr mit der Mentha piperita aussähe, der allseits bekannten Hugo-Minze? Doch die Menschin war schon in Sandalen und Strandkleid gehüpft und sprang sonnenbebrillt die Treppen hinab in Richtung 16°C Außentemperatur. Kannste knicken!

Mir ist schon klar, warum der ganze Irrsinn hier „Frühlingserwachen“ heißt. Ich stelle mir den Frühling als ein geschlechtsneutrales, tuffiges, grünes Wesen vor, vielleicht ein bisschen flauschig und immerzu lächelnd. Ich hab da mal heimlich ein Foto für euch gemacht:

Frühling

Er schläft im Winter auf Wiesen und Feldern unter Matsch und Schnee, und sobald die Sonne diese Kruste einigermaßen aufgelutscht hat, erhebt sich der Frühling mit einem epizentrischen Karacho aus dem Boden, sodass die eine Hälfte der Menschheit in erschrockenes Niesen verfällt und die andere Hälfte in extatisches Jubeln. Das ist nämlich auch die tatsächliche Ursache dafür, was immer „Allergie“ genannt wird. Frühblüher, Pollen, Schnupfen im Heu, alles Quatsch. Die Leute sind einfach nur schockiert! Wer wäre das bei so einem Anblick auch nicht? Aber diese Wahrheit wird sich wahrscheinlich niemals durchsetzen.

Die Fragen, die sich angesichts des bedrohlich heranrückenden Osterspazierganges stellen, sind natürlich diese: Gibt es tatsächlich immer was zu tun? Tragen Kater auch mal Gummistiefel? Und warum schrieb Vivaldi keine Partituren für Schneeglöckchen?

In diesem Sine schließe ich heute mit einem frühlingshaften Gedicht:

Frühlingshaftes Gedicht

Der Himmel blau,
die Wiese grün –
im Morgentau
wird es bald blüh’n!

Der Gärtner tänzelt schon heran
mit Kanne, Harke, Spa[r]ten,
und fläzt sich wohlig hin sodann
in seinen großen Ga[r]ten.

Die Gärtnerin nimmt ihn beim Kopf
und gibt ihm ein paar Küsse.
Da packt der Gärtner sie am Schopf
und zeigt ihr seine Gewächshäuser.

In diesem Sinne: Pumpt euch auf und macht die Räder fit! Möge das X mit euch sein!

Das Dienstagsding, diesmal: Sprich Wörter!

Der frühe Vogel kämmt den Wurm, das ist ja allgemein bekammtkannt. Aber ist euch schon mal aufgefallen, dass die deutsche Sprache tatsächlich nur dafür erfunden worden ist, ihre Benutzer a) zu unterhalten, b) herumzukommandieren oder c) unterhaltsam herumzukommandieren?

Man nehme [Imperativ!] nur mal das gute alte Sprichwort [Imperativ! Und was soll man eigentlich sonst sprechen? Scat* oder was?]. Morgenstund hat Gold im Mund … Uäh! Da wachst du morgens auf, der frühe Vogel knackt [ja, mit n] dir tierisch im Gebälk und dann kriegst du vor lauter Dublonen den Mund nicht zu? Was könnte das anderes sein als Schikane? Gut, es könnte auch als Plädoyer für das Ausschlafen gedeutet werden, das muss man einräumen. Aber alles, was man sich einräumt, muss man irgendwann auch wieder auslöffeln, und da beißt die Maus sich und den Hans … Außerdem ist ja nicht alles Gold, was glänzt.

Der der deutschen Sprache mächtige Mensch hat es einfach schwer. Will er ungestört einen Ast absägen, so muss er immer erstmal schauen, ob er nicht noch darauf sitzt. Sollte ihm da mal ein Fehler unterlaufen [Warum laufen Fehler eigentlich immer unter, nie über? Und ist es dann noch ein Fehler, wenn man das Fass zum Überlaufen bringt? Wohin muss man da eigentlich?], lachen sich die Beobachtenden einen Ast ab und er hätte sich die Mühe sparen können.
Apropos sparen. „Wer den Kreuzer nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“, sagte schon unser aller Weisheitsguru Dagobert Duck in Entenhausen. Blöd nur, dass selbst hartnäckigstes Auf-die-hohe-Kante-legen hier nicht weiterhelfen würde. Aber ich habe da mal ordentliche mentale Transferleistungen betrieben und das Ganze auf den Euro übertragen. Seitdem sucht die Menschin ständig ihr Kleingeld. Von mir kriegt sie den Tipp mit dem Bücherregal aber nicht! Schließlich ist Reden Silber und Schweigen Gold. [Schon wieder! Gold regiert die Wolt, das ist wirklich schlimm.]

Jedenfalls, was ich eigentlich sagen wollte. Die Menschin belöffelte mich neulich, dass ich nicht immer nur große Reden schwingen solle, sondern auch mal den Staubsauger, und wenn das nicht ginge, dann solle ich meine kruden Theorien wenigstens auch einem Praxistext unterziehen. Also unternahm ich einen Spaziergang und beriet mich eine Weile mit den Geistern meiner ehemaligen Sonnenblumenkinder.

Blumengeister

Der Plan war genial, ich war noch genialer, und der Rest ging dann ganz, ganz schnell. Ich fuhr heimlich per Anhalter in die Innenstadt und schenkte einer Taube einen Strauß Gänseblümchen. Sie war verzückt, hätte mich fast angeturtelt und folgte mir bereitwillig nach Hause. Ich bat sie, auf einem Dachziegel Platz zu nehmen, von dem aus man die Nachmittagssonne am allerbesten genießen könne, stellte einen Cocktail bereit und ließ sie allein. Dann kroch ich eine Weile durch den Nachbarsgarten, bis ich Erich, Franz und Hans traf, veranstaltete ein kleines Casting und ließ schließlich Erich mit mir mitkommen. Dann wurde es spannend – also, NOCH spannender -, denn wir mussten warten, dass die Menschin endlich nach Hause kam. Sie kam, sah und siegte mich fragend an und ich hieß sie, auf einem Balkonstuhl kurz zur Ruhe zu kommen und die Augen zu schließen. Sie war misstrauisch, aber das ist sie unbegründeterweise ja immer, und letztlich folgte sie meiner Anweisung. Ich pfiff also Erich heran, der unter dem Klavier mit den Staubmäusen angebändelt hatte, und mit einem Satz saß er in der Menschins Hand.

Nun, meine Frage, ob ihr das tatsächlich lieber wäre, ging leider in ihrem erschrockenen Schrei unter. Heiliges X! Drei volle Nächte durfte ich mit der Spatzengang im Haselstrauch sitzen, dann erst ließ sie mich wieder hinein, da sie Angst hatte, mein permanentes Klopfen könne die Tür beschädigen. Und nun trau ich mich nicht, noch einmal nachzufragen. Wie sagt man so schön – manchmal sollte man den Ball lieber flach halten, sonst hat man im Wohnzimmer plötzlich ganz dünnes Eis. Und das ist nicht immer nur Schoko oder Vanille.

*Nein, Scat ist weder eine englische Skat-Version noch die Kurzform für Supercat, sondern laut Duden der Gesang von Silben, die keine Bedeutung haben. Quasi als ob man einen notorischen [nicht zwingend motorischen] Langschläfer morgens halb sechs weckte und von ihm eine Rezitation des Erlkönigs verlangte. Das zu erwartende Ergebnis fiele vermutetermaßen eher mau aus [Ha, wieder ein Katzenverweis!], und zwar im Sinne von: „We-rei-spä … Nawi? E-de-Va … mseiki …“ Probiert es ruhig mal aus – aber auf eigene Gefahr!

Das Dienstagsding, diesmal: Wuscheliger Winterschlaf.

Drolliges Donnerwetter, das war eine Nacht, was? Es kommt mir vor, als hätte ich über drei Monate geschlafen. Das ist natürlich doppelt Quatsch. Käme es vor mir, dann läge es ja nicht zurück, und wie einer es schaffen will, sich über einem Monat (oder gar mehreren!) zur Ruhe zu betten, ist mir ein Rätsel. Ein Monat ist doch keine Hülsenfrucht, und außerdem bin ich ja gar keine Prinzessin. So.

So oder so ist plötzlich März und der meteorologische Frühlingsanfang ist bereits an der heimischen Klimazone vorbeigeflitzt, dass einem der Fahrtwind die Haare zerzauste. „Frühlingsstürme“ nennt das die Menschin. Sie sitzt den halben Tag vor dem Computer und vernichtet (Frühlings-)Türme von Schokoladenweihnachtsmännern. Das wiederum nennt sie „Vorbereitung für Ostern“. Ich fragte sie, ob man da nicht eher Eier anmalen solle oder Hasen verstecken oder so. Sie sagte, wenn ich weiter ihren Ernährungsstil kritisiere, würde sie mich so gut verstecken, dass ich mich selbst nicht mehr fände. Das fand ich durchaus überzeugend und mich entsprechend damit ab.

Was ich aber eigentlich sagen wollte. Ich habe einen neuen Kumpel, mal wieder, und zwar einen blauen, blütigen Kaktus, der weder spricht noch sticht. Ein großartiger, kleiner, artiger Kerl, den ich euch unbedingt vorstellen muss:

Kaktus

Ja, ich weiß, er hat auf dem Bild die Augen zu, aber da war nix zu machen. Dafür hat er die Blüten offen, das ist doch auch mal was. Da er außerdem keinen Namen hat, nenne ich ihn Nlk (namenloser Kaktus). Zugegeben, anfangs ist die Aussprache etwas schwierig, aber nach dem dritten Caipi lässt sich das lösen. Generell lösen sich nach drei Caipis viele Dinge in Wohlgefallen oder wenigstens im Nebel auf. Aber ich gleite ab.
Nlk und ich trafen uns bei einem Junggesellinnenabschied zum ersten Mal. Ich kam zufällig des Weges, als er von einer Horde kreischender Damen mit abwesender Alkoholverträglichkeits-Selbsteinschätzungs-Kompetenz durch die Gegend getragen wurde. Sie hatten tatsächlich vor, den wehrlosen Nlk an den erstbesten dahergelaufenen Menschen zu verkaufen! Mit dem Ziel, den Erlös in zusätzliche Destillate umzuwandeln! Sapperlot, dachte ich da, und verhalf ihm zur Flucht. Es gelang uns knapp. Nach drei Tagen in der Wildnis verließen wir unsere Deckung, kehrten zur Menschin zurück und sie päppelte ihn auf. Das muss man ihr lassen – für gehäkelte Kakteen hat sie ein Händchen.
Jetzt gehen wir ab und zu gemeinsam einen trinken und reißen Frauen auf. Das war jedenfalls der Plan, bevor ich in den Winterschlaf gefallen bin. Hoffentlich passiert das nicht so schnell wieder. Ich werde berichten … aber erstmal ist Mittagsruhe. Denn in der Ruhe gärt der Saft! Hochhut kommt vor im All. Also immer schön die Beine vom Tellerrand baumeln lassen, liebe Freunde. Das X findet euch letztlich auch ohne GPS.