Die Mittwochsweisheit, Folge 8

Also ich bin ja im Tagesschnitt von Gott zu 99 % unbehelligt, aber neulich gab es mal wieder so einen Moment, da ich mir kurz unsicher war, ob das aufflackernde Schicksal nicht doch von einer höheren Hand gehändelt worden sei – und wir reden hier nicht von der unsichtbaren Hand des Marktes, die ist ja mal sowas von letztes Jahrtausend!

Es geschah am Wochenende und es geschah erbarmungslos: Die Menschin hatte plötzlich keine Stimme mehr. Ha, da war sie aber verstimmt!
„Stimmt was nicht?“, fragte ich scheinhei ehrlich besorgt, als sie hüstelnd und räuspernd ihr Frühstücksbrötchen in Salbeitee ertränkte. „Kann ich nicht  genau sagen„, krächzte die Menschin.
„Stimmt“, musste ich süffisant feststellen und warf ein paar Hausmittelchen in die Runde, die meine Mutter mir früher verabreicht hätte, wenn ich denn einer Mutter habhaft gewesen wäre: Halswickel, Butterpflaster, Zwiebelsud … Also, Begeisterung konnte ich bei der Mietzahlerin dafür nicht generieren.

„Was machen wir denn da nun?“, fragte ich schließlich. Das ist ja der Tipp schlechthin, also guthin, also der funktioniert, wenn man mal wieder nicht weiß, was die Frau am Frühstückstisch nun eigentlich will: Man fragt sie einfach.

Nichts„, hauchte die Menschin und hustete anschließend, als wolle sie einen Preis für gutturale Unlaute bekommen. „Lass mich zurück. Du musst ohne mich weiter …
„Aber was soll ich dann den Kindern sagen?“ Ich fiel dramatisch vor ihr auf die Knie.
Sie werden es eines Tages verstehen.
Die Menschin kraulte mir ein letztes Mal den Schopf, dann ging sie von hinnen, um sich ein Erkältungsbad einzulassen.
„Schwimm nicht so weit raus!“, mahnte ich. „Gibt hier keine heißen Bademeister!“
Ja ja„, dröhnte es im Flüsterton zurück. Und der Abwasch blieb natürlich mal wieder an mir hängen. Beim X, das war ja wieder klar.

[Offiziell ist nun Schluss, aber weil er neulich im Angebot war, folgt ein Epilog.]

Epilog, überraschend aus dem Hinterhalt aufgetaucht (der Fiesling)

Das Glück ist oft von kurzer Dauer –
und erst, wenn es schon längst verzogen,
bemerkt man mit Geheul und -schauer,
dass es nun fort ist. Ungelogen!

Am Montag kam die Stimme wieder
und mit ihr all das Rumgenöle.
Es bibbert mir noch schwach das Mieder
von all dem Schmerz auf meiner Söle.

So ist die Menschin wieder ganz …
Und ich bin ganz und gar am Ende Schluss.
Es war, als hätt‘ die Welt mehr Glanz;
nun ists, als hätt ich nur Verdruss!

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