Die Mittwochsweisheit, Folge 7

Die Menschin hat in letzter Zeit des Öfteren schlechte Laune. Das tut mir leid, aber manchmal auch ganz gut. Man kann sie nämlich so schön ärgern, wenn sie schlechte Laune hat. Das ist, als sähe man ein altes Fass, dessen Füllung sich beängstigend weit dem oberen Rand genähert hat, und als hätte man zufällig eine Gießkanne mit ein paar Tropfen dabei, und als gösse man dann … egal. Sobald Diogenes rausspringt und dich verprügelt, macht das ja eh keinen Spaß mehr. Also lassen wir dem Fass seine Krone und kehren zur Menschin zurück. Die kam heute nach Hause und schleifte ihre geschliffenen Mundwinkel drei Meter hinter sich über den Boden. Fand der Boden natürlich auch nicht so toppigaloppi, aber den fragt ja keiner. Den treten alle immer nur mit Füßen.

„Was geht?“, fragte die Menschin jedenfalls mit dem Esprit¹ eines benutzten Zahnseideknäulchens.
Rien ne va plus„, verkündete ich sofort, „heutzutage läuft alles nur noch.“
„Also gut. Wie läuft’s?“
Schön warm am Bein runter Es geht so“, sagte ich, „ging schon besser.“

Die Menschin schaute mich lange an. Ihr Blick schwankte, als habe sie Mühe, zunächst sich und dann mich zu begreifen. Also, rein optisch natürlich.

„Na, dann geht’s ja“, erwiderte sie schließlich und senkte sich der Länge nach auf den Diwan herab. Ihre rechte Hand schnipste nach dem Butler, was ungehört in den weiten Hallen des Schlosses verhallte. (Ja ja, ich habe es natürlich schon gehört, aber der, der es hören sollte, der nicht, weil der nämlich nicht so hörig ist wie ich.)

„Du hast den Butler entlassen“, merkte ich an.
„Wir hatten nie einen Butler“, nölte die Menschin und zeichnete mit den Fingerspitzen ihre Augenringe nach.
„Aber das ist ja quasi, als ob wir ihn schon vor sehr sehr langer Zeit entlassen hätten – zu einem Zeitpunkt, noch bevor wir ihn angestellt haben, sodass er nie tatsächlich für uns gearbeitet hat.“

Wieder versuchten ihre Augen, mich einzukreisen und zu fixieren, aber ich war schneller, sprang in die Küche und hachte ein paar Mäppchen.

„Bring den Wein mit!“, ersuchte mich ihre holde Schnittlauchigkeit.
„Hast du Weltschmerz?“
„Ich? Habe nun ach – Philosophie, Juristerei und Medizin … und leider auch Theologie …“

Oh Gott Goethe! So schlimm schon! Ich rollte unser Notfall-Fässchen aus der Küche bis vor den Diwan und propfte einen Strohhalm hinein. Das heiße Bemühen der Menschin verging im Traubenmost. Diogenes hämmerte von innen gegen das Holz und brüllte was von nächtlicher Ruhestörung. Und gerade, als es so richtig interessant wurde,

[Der restliche Beitrag wurde vom Bundesverband deutscher Philosophenschützer einbehalten. Die brauchen auch mal was zum Mittag. Hugo wird demnächst zum Vorsitzenden gewählt, versprochen!]

¹ Das ist keine Schleichwerbung, sondern ein Fremdwort.

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