Die Mittwochsweisheit, Folge 6

„Hello again“, ich sag einfach: „Hello again …“ – Soviel dazu; seid froh, dass ich es nicht auch singe.

Die Menschin stand neulich im Flur und betrachtete nachdenklich abwechselnd ihr mobiles Endgerät und die Deckenlampe. Ihre Augenbrauen tanzten den Unzufriedenheits-Cha-Cha: Zusammen, auseinander, enger zusammen, wechselseitiges Gehüpfe … Ich legte ihr gönnerhaft eine Hand auf die Schulter und fragte, ob ich helfen gönnekönne.

„Es geht nicht aus“, seufzte sie.

„Wer geht nicht aus?“, fragte ich nach. „Du gehst nicht aus, seit einer Weile schon, aber daran ist doch nicht die Lampe schuld!“

„Ja, nein, hier … ich drücke und drücke, aber das Licht geht nicht aus!“

In dem Moment beschloss ich, eine Schrift über „Nearly Digital Natives“ aufzusetzen, die die Welt verändern würde. Ha, wie würde ich den Stachel ins Herz der wahnwischigen, tattrig-tippernden Ewignachuntenstarrer treiben, wie würde ich ihren Blick mit unbezwingbarer Hand aufheben und in Richtung ernsthafter Probleme schleudern, wie würde ich … Na ja, ich habe leider das Ladegerät vom Laptop nicht gefunden und nun, da ich es auftreiben konnte, ist mir die Lust abhanden gekommen. Und die Menschin schlug sich nach angemessenen zehn Sekunden des Erkenntnisgewinns gegen die Stirn und nutzte den Lichtschalter. Beim Kreuze des X, und dann tat sie etwas selbst für mich noch Erstaunliches: Sie lachte über die eigene Unzulänglichkeit.

Ich habe ja lange darüber nachgesonnen, warum der Mensch sich selbst als Krone der Schöpfung bezeichnet, selbst wenn er im gleichen Zug die Schöpfung anzweifelt. Was bildet er sich nicht darauf ein, also der Mensch jetzt, dass er ein dolles Gehirn habe und super abstrakt denken könne und dass eine weiße Leinwand, als „Neuschnee, unberührt“ betitelt, locker für ein paar Milliönchen den Besitzer wechselt! Da fiel es mir wie Schuppen von der Kopfhaut; die Erkenntnis sengte sich in mein Auge wie ein unerbittlicher Frühsommersonnenstrahl: Das ist es nicht. Der Mensch hat die Welt nicht mehr schlecht als recht seinen Bedürfnissen unterworfen, weil er so großartig ist. (Zugegeben, im Vergleich zu mir ist er schon groß, aber artig …) Nein. Aber er kann, selbst wenn er etwas unfassbar Blödes tut, im Anschluss über sich lachen. Ist das nicht eine Fähigkeit, die jede andere Spezies vor Erstaunen in die Knie zwingt? (Damit wäre das Forschungskapitel „Evolution & Co.“ ein für alle Mal abgeschlossen. Darwin, dank mir später.)

Wenn ich in der Steppe einem Gepard begegne, der sich gepaart unfähig ist, eine dreibeinige asthmatische Antilope zu erlegen, und der Kollege fände das auch noch lustig, dann würde ich dem aber eine Therapie ans Herz legen! Oder einer kichernden Schnecke, die nicht in der Lage ist, mal die große Hausordnung zu erledigen. Oder einem Panda, der selig schmunzelnd nicht wenigstens die einfachsten Kung-Fu-Übungen hinbekommt. Aber die Menschin, die steht im Flur und lacht, weil sie das Licht nicht ausgeschaltet bekommt. Und sowas will noch zur geistigen Elite gehören!

„Du verstehst das nicht. Du bist halt einfach gestrickt“, mault sie mich dann natürlich an, als ich wohldosiert meine Kritik an ihrem Verhalten in den Raum stelle.

„Ich bin gehäkelt!“, opponiere ich opulent.

„Ach, immer die gleiche Masche“, mäkelt die Menschin und kann sich nicht verkneifen, ob dieses schlechten Wortwitzes wieder ein selbstverherrlichendes Grinsen zwischen ihre Ohren zu hängen. Ich hänge meine Aufmerksamkeit von ihr ab und organisiere mir etwas zum Frustfressen. Wisst ihr, das Leben ist wie eine Pralinenschachtel – ich weiß immer, was ihr als Nächstes bekommt!

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