Die Mittwochsweisheit, Folge 4

Dass mir die nachfolgende Geschichte niemand glauben wird, das ist ja eigentlich von vornherein klar. Warum sie also aufschreiben? „Content is king“, würde der Marketing-Mensch darauf antworten. „Das Marketing hat noch nicht begonnen für diesen Tag“, hielte PeterLicht dem Entgegner entgegen. Aber einerseits ist der Mittwoch ja doch schon wieder stark seinem Ende zugeneigt (das zieht dem in der Seite, kann ich euch sagen, aber selbst schuld, wer sich zu selten dehnt!) und andererseits, apropos Peter.

Eigentlich wollte ich die werte Leserschaft diese Woche ja mit einer Rezension von Hermann Hesses Peter Camenzind beglücken, aber das müsst ihr euch leider an den Hut schminken. Das ging ja gleich am Anfang los bei dem. Erstes Kapitel, erste Seite, erste Zeile. Erster Satz.

Im Anfang war der Mythus.

… so lässt der Hermann den armen Peter beginnen und eröffnet damit spornstreichs den Weg zum Ende. Ich dachte, am Anfang war irgendwie Tat oder Wort oder Apfelkompott, aber nee, es war der Mythus! Nun denn … dann kann ich mir den Rest ja auch zusammenreimen, hab ich mir gedacht. Das letzte Wort des Werkes lautet übrigens „auf“. Das ist ja schon wieder ermunternd. Im Anfag steht zwar der Mythus – worauf wartet er denn da eigentlich und ist das dem Anfang nicht unangenehm? – aber am Ende geht es irgendwie nach oben. Das Buch ist also vermutlich komplett als Frage zu verstehen, würde man seine Semantik mal eben zur Satzmelodie transponieren. Weißte wie? Aber ich schweife ab. Lassen wir den Peter mal links liegen und schwingen unsere Aufmerksamkeit nach rechts, direkt auf die Geschichte zu, die ich euch nicht komplett erzähle, weil es mir ja dann eh wieder keiner glaubt. (Oh Mann, der Marketing-Mensch würde jetzt schon von Clickbaiting und Curiosity Gaps schwadronieren, aber zum Glück ist der grad nicht da.)

Ich kam nämlich, um den springenden Punkt mal einzufangen und ein Weilchen mit ihm zu hopsen, also quasi trampen, nur mit hopsen, also dann eher so … tropsen? Jedenfalls, ich kam da neulich, ohne weiteres Zutun meinerseits natürlich, auf den Hund. Beweis:

Hund1

Tja, und dann war ich aber da. Der Hund ist eine Hündin und eigentlich ganz ok gewesen, hätte sie nicht dauernd versucht, mir die Haare zu flechten. Naja, Frauen. Ich gewann ihr Vertrauen mit Leichtigkeit und säuselte sie lieblich in den Schlaf, um mich alsdann unauffällig (!) anzuschleichen.

Hund2

Klappte auch soweit ganz gut, denn – und das hätte keiner gedacht! – die Dame interessierte sich überhaupt nicht dafür, wo ich herumschlich, sondern pennte einfach weiter. Der faule Hund!

IMG_20151208_112637

Naja, und dann ging alles ganz schnell. Sie öffnete im Halbschlaf ein Auge, säuselte etwas, das beinahe nach Matriarchat klang und seitdem habe ich sie am Bein. Oder auch mal am Arm oder am Auge. Also, ich habe natürlich sowieso immer ein Auge auf sie, das ist ja klar. Und wenn sie schlechte Laune hat, dann spielen wir „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, aber da gewinnt sie immer, weil ich meine Zähne noch nicht gefunden hab. Nun, an solchen Kleinigkeiten sollte man sich nicht festbeißen.

Was war denn heute eigentlich nun die Mittwochsweisheit? Ja ähm. Manchmal kommt du leichter auf den Hund als das Jungtier zum Rinde. Gerade jetzt, wo es nachts wieder kühler wird (vor allem draußen).
Darum schließe ich, damit er nicht allzu beleidigt ist, heute dennoch mit Hermann Hesse:

Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein.
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hach, traurig, aber wahr. Zum Glück bin ich a) kein Mensch und b) niemals allein, da die Menschin ständig überall ihre Haare verliert Finger im Spiel hat. Und jetzt habe ich ja noch eine neue Freundin. Die sabbert zwar, wenn sie schläft, aber gut, da ist zur Menschin auch nicht mehr viel Spielraum. In diesem Sinne, euch allen schon mal einen schönen dritten Advent!

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