Die Mittwochsweisheit, Folge 3

Dichtung ist Wahrheit, das wusste schon der alte Wolfgang recht gut. Und da Wahrheit und Weisheit wenigstens als Alliteration Hand in Hand gehen, serviere ich euch als heutige Mittwochsweisheit ein Gedicht, das mir neulich, pünktlich zum ersten Advent, auf die Sternchenserviette tropfte:

Das Ren springt hoch,
das Ren springt weit –
warum auch nicht?
Es hat ja Zeit.

Doch wenn dann die Adventszeit kommt,
verfällt das Ren in Stress recht prompt.
Auf einmal ruft der dicke Mann
(weißbärtig, rotgewandet) an.

Er sucht die Wichtel, barmt nach Plänen,
hustet schwer von Sägespänen,
außerdem hat er Burn-out!
Schon ist dem Ren der Tag versaut.

„Doch einer muss den Mist ja machen“,
denkt es mit zweifelhaftem Lachen.
„Während ihr Menschen Glühwein sauft,
paar Plätzchen backt, Geschenke kauft,

hab ich den Ärger hier am Hals –
bis Heiligabend! (Bestenfalls.)
Der Weihnachtsmann nimmt sich ja frei
bis zum Tag vor der Bescherungei.“

Und unser Ren, das rennt und sucht,
das kümmert sich und macht und flucht,
drei weitere Advente lang.
So geht das Fest nun seinen Gang.

Von all dem Stress komplett erschöpft,
dem Ren am Schluss die Nase tröpft:
Der Hals ist rau, die Stirn ganz heiß,
jawohl, mein Ren, das ist der Preis.

So kam zu seiner USP*
der Rudolph zwischen Eis und Schnee.
Die wunde, rote Nase strahlt!
(Womit der dicke Mann gern prahlt.)

Nur Rudolph weiß: „Im nächsten Jahr
bin ich auf Malle, das ist klar.“
Doch ist das „nächste Jahr“ erst ran,
ruft er ja doch dann wieder an …

*USP: Fragt Onkel Duden, der weiß alles.

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