Das Dienstagsding, diesmal: Verführung

Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne. Die sieben Söhne sagten: „Vater, erzähl uns eine Geschichte!“ Und der Mann fing an: Es war einmal ein Mann, der hatte sieben Söhne …

Thihihi, kleiner Scherz. Jetzt hattet ihr schon Angst, was? Beim heiligen X, habt ihr gedacht, jetzt erzählt der Märchenkobold tatsächlich schon echte Märchen, und dann auch noch welche, die sich stets im Kreis drehen! Ein Perpetuum-mobile-Märchen quasi, das sich so lange selbst wiedererzählt, bis die Zuhörer um Gnade winseln und ein Aufhören begehren, doch was man einmal angefangen hat, das fängt einen im Gegenzug oft gleich mit weg und dann ist ein Freikommen schwer, tjaha!

Hm, irgendwie habe ich heute Morgen einen morbiden Schluck Tee erwischt. Räusper. Kommen wir mal zur Sache.

Die oben angefangene nie endende Geschichte müsste ja eigentlich so gehen: Es war einmal ein Hugo, der hatte eine Menschin. [Nein, NICHT andersherum! Hier bin immer noch ich der Boss, auch wenn sie den Strom bezahlt. Ich habe schließlich keine Füße unter ihrem Tisch, ha!] Die Menschin sagte: „Hugo, bring doch mal den Müll raus! Und dann bring doch gleich die Zeitung mit hoch. Und Hugo, kannst du den Abwasch übernehmen?“ Hugo antwortete: „Aber Menschin, ich bin doch auf heißes Wasser allergisch. Du weißt, dass ich Angst vor dem Schrumpfen habe!“ Doch die Menschin entgegnete frauisch: „Und du weißt, dass ich allergisch auf Ausreden bin! Vielleicht sollte ich dich in einen Turm sperren, und dann kannst du dir aber mal die Haare wachsen lassen!“ Also streute Hugo sich auf dem Weg zum Müll eine Spur aus Brotkrumen und stahl nebenbei im Nachbarsgarten noch ein paar Rapünzchen … Nee, Moment. Er verschluckte einen Apfel, stolperte und landete auf sieben Zwergen! Jedenfalls wusste er, er durfte diese eine Kammer nicht öffnen. Und dann stand da noch ein Esel rum und neben ihm ein toll gedeckter Tisch. Aber warum hatte der Kater unter dem Tisch denn Stiefel an? Und lugte ihm da tatsächlich ein vergoldetes Froschbein aus dem Maul?

Brechen wir an dieser Stelle lieber ab, ich schweife ja schon wieder vom Thema weg wie ein schlechter Schwimmer vom Ufer. Was ich eigentlich sagen wollte – und vielleicht begründet das auch meinen sehr gut kontrollierten und im Zaum gehaltenen Unmut gegenüber der Menschin heute Morgen … [Wenn sich Mut mit Unmut paart, was kommt dabei heraus? Nmut? Hm.] Ich stehe so in der Küche und mache meinen Morgensport, während der Tee zieht, da fällt mein Auge plötzlich nach rechts auf das Schränkchen, auf dem die Teekanne wohnt. Potzblitz, denke ich, da ist ja jemand Neues eingezogen. Eine Kleingruppe! Die leckerste Kleingruppe, die mein Blick jemals das Glück hatte zu berühren! Heiliges X, da habe ich gewusst, was Liebe ist. Ich stürze hinüber zu den Begehrten, stelle mich vor, stelle mich dann dahinter, sinke auf die Knie, dann auf den Hintern und verliere mich in Seligkeit und Duft und Wonne.

Tartelettes

Sie haben „Papa“ zu mir gesagt! Alle! Ich taufte sie Gerold, Herold, Jörg und Dörk und machte mich gerade daran, Herold an den Mürbeteigkragen zu gehen, da riss mich eine höhere Macht am SchneewittSchlawittchen nach oben und entfernte mich vom jüngst gewonnenen Glück.

„Was machst du da?“, wütete die Menschin.

„Ich äh … wollte mich mit meinen neuen Freunden bekannt machen?“, reagierte ich souverän und schlagfertig. Sie ließ sich nicht täuschen und atmete auf erhöhtem Pulslevel, was mich zu einer unterwürfigeren Methode zwang, um nicht von ihr fallen gelassen zu werden:

„Sie haben mich verführt! Kennst du das nicht, entzückende Menschin, Verführung? Du läufst schön geradeaus deinen Weg entlang und plötzlich – ZACK! – steht der Wolf am Wegesrand und lockt mit Blümchen und Törtchen. Und auf einmal gibst du die Führung ab und läufst einfach so mit, weil du so viel entspannter die Landschaft betrachten kannst, und dann ist die Verführung ja quasi schon, also, gar nicht mehr weit, sondern eher nah, also im Prinzip da, und dann sind deine Chancen ja sozusagen wieder weg, genauso wie der Weg! Tja und dann guckste. Ich kann also nur sagen -„, in einer dramatischen Pause holte ich Luft und zum letzten Schleimschlag aus, „… danke, dass du mich gerettet hast. Vielen Dank. Magst du ein Törtchen?“

Die Menschin ließ sich tatsächlich vorführen und setzte mich besänftigt auf eine Sänfte die Theke ab. Puh! Aber ich sage euch, Frauen sind nicht so leicht zu bedienen wie eine Boeing 747. Ein Grinsen schlich sich in ihr fein konterndes Konterfei.

„Ich denke, Hugo, um dich der Verführung zu entheben, gebe ich dir etwas Unterstützung an die Seite.“

Sie griff nach einer Paprikaschote, die sich bis dahin im Hintergrund gehalten hatte, und erklärte, sie brauche das Gemüse für’s Mittagessen dann bitte in kleinen Würfeln. Ich widersprach, dass ich dem Glücksspiel abgeschworen habe, doch die Menschin hörte nicht darauf. Sie war schon der Küche entrauscht und ließ mich mit Dr. Pap, wie er sich nannte, allein. „Gelobt sei das X“, sagte ich zu ihm, „harren wir einfach der Dinge, die da kommen!“

Paprika

PS.: Falls jemand wie ich der Verführung erlegen ist:
360 g Mehl + 40 g Kakao + 200 g Butter + 80 g Zucker + 1 Ei + 1 Prise Salz zum Mürbeteig verbauen. [Oder, wer’s hell mag, 400 g Mehl und 0 g Kakao – und der ganze Rest.] In 12 etwa gleich große Teile rupfen, diese jeweils ausrollen, in gut gebutterte Tartelette-Formen einpassen und mit einer Gabel ein paar mal piksen, hihi. Dann 18 Minuten bei 180 °C Ober-/Unterhitze schmoren lassen. Nach dem Abkühlen aus der Form werfen – aber zärtlich! Pudding kochen, schön heiß draufmatschen, mit Obst bedecken. Und dann alles sehr, sehr gut … verstecken.

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