Das Recht hat immer eine Oma.

Es war vor gar nicht mal SO langer Zeit, da tingelte ich hier durch die Gegend auf der Suche nach einem Nebenjob. Mein Besuch beim Arbeitsamtmann in seinem schönen Arbeitsamtmannbüro, bei dem der Arbeitsamtmann sympathisch mit dem Arbeitsamtmannbürostuhl wippte, liegt ja nun schon eine Weile zurück, aber weder Weltruhm noch Dagobert’scher Reichtum haben sich eingestellt, deshalb beschloss ich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Der Spielwarenladen wollte mich lieber ins Sortiment nehmen als einstellen, die Frauen aus dem Dekoladen sahen mich verständnislos an und der nette Herr im Buchladen meinte, sobald er eine neue Koboldstelle freihat, ruft er mich an. Kurz bevor ich meinen Mut endgültig verlor, nahm ich noch einmal Anlauf und torkelte mit unvergleichlicher Eleganz in den Zeitschriftenwarenladen. Die Rechnung ist ja ganz einfach: Viele Menschen wollen Zeitschriften oder Zigaretten haben, also braucht der Zeitschriftenwarenladen auch viel Personal. Dachte ich mir so. Ich sagte mein Sprüchlein auf, dass ich eigentlich Filmstar werden wollte, dann Online-Journalist und dass ich jetzt Teilzeitkindergärtner für Sonnenblumen bin, womit man aber auch nicht besonders weit kommt [im Prinzip immer nur auf den Balkon] und dass ich jetzt deshalb eine Ergänzung zur Reichtumsgewinnung benötige. Die Dame schaute für den Bruchteil einer halben Sekunde über den Rand ihrer randlosen Brille [Finde den Fehler im rechten Bild!] und sagte dann, begleitet von einem gutturalen Seufzen:

„Nur, wenn Sie eine Lotto-Ausbildung haben!“

Ich wusste nicht sofort, was ich darauf erwidern sollte. Ihre Aussage und die Art, wie sie sich äußerte, legten mehrere Dinge nahe:

a) Scheinbar kommt jeden Tag fünfmal ein kleiner gelber Kobold zur Zeitschriftenwarenladentür herein und fragt nach einem Nebenjob.
b) Scheinbar sollte jeder kleine gelbe Kobold, der sich um einen Nebenjob bewirbt, vorher wissen, dass er für einen solchen eine Lotto-Ausbildung haben muss.
c) Scheinbar gibt es tatsächlich Wesen auf dieser Erde, die wissen, was eine Lotto-Ausbildung ist!

Schließlich entschied ich mich zur höflichen Rückfrage, was denn eine Lotto-Ausbildung sei. Damit ich es beim nächsten Mal besser wisse oder mich entsprechend weiterbilden könne.

„Na eine Ausbildung am staatlichen Lotto-Automaten!“

Ich schaute die Dame ernst und eindringlich an, in etwa so:

Ernst

… und teilte ihr mit, dass ich mit derlei Qualifikationen leider nicht dienen könne. Aber ich werde mich um ein Praktikum bei der Lotto-Fee bewerben.

Nun habe ich also noch immer keinen Nebenjob, aber dafür eine neue Passion: Ich werde Bäcker! Als die Menschin neulich nicht zu Hause war, habe ich nämlich probehalber mal eine Handvoll Mehl, Hefe, Sauerteig, Salz und Wasser zusammengeworfen und siehe da, es ist Folgendes passiert:

Brot

Da hat die Menschin aber Augen gemacht, als sie heimkam! Ich habe Auge zurückgemacht, damit sie nicht allein so blöd guckt, und dann haben wir uns den Bauch vollgeschlagen, also eigentlich eher so sie sich, aber geteilte Freude ist ja doppelt und Laber-Rhabarber.

Worauf ich aber eigentlich hinauswollte. Heute kam mir der durchschlagende Geistesblitz [Ein Glück ist Geistesdonner seltener. Der macht nämlich Kopfschmerzen.], dass man den Satz „Oma hat immer recht“ getrost auch umstapeln kann zu „Recht hat immer Oma“. Denn einerseits hat jede Rechtsform irgendwelche Urväter, von denen man heute noch Pamphlete lesen kann und die wiederum sicher eine Mutti hatten, und zweierseits ist jede Oma immer im Recht, egal was sie so erzählt. Das Recht hat also eine Oma und Oma hat immer recht [ja, das schreibt man wirklich klein, empfiehlt jedenfalls der Duden]. Und wenn Oma sagt, es steht ein Herd auf der Kur, dann stimmt das! Oder man hört schlecht, das ist auch immer eine Option.

Übrigens – und das nur als abschließender Hinweis: Gestern gab es einen dollen Mond. Der war so groß und rund und klar und schön, da wurde bald das X in die Pfanne gedrückt!

Doller Mond

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