Dahlien darf man nicht einfrieren.

Einen schönen guten Samstag erst mal, mein Name ist Hugo – das X steht für Gefahr! Nur so für die, die hier neu zugeschaltet haben. Wie ihr nebenstehend einsehen könnt, habe ich bereits eine halbe Quadrillion Jünger bzw. Folgerer und ich kann euch nur empfehlen, euch diesem Schwarm anzuschließen, da a) Schwärme bekanntlich intelligent sind und b) meine Menschin vermutlich bald keinen Bock mehr hat, permanent in sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit für mich zu generieren. Aber die ist eh ein bisschen komisch drauf gerade, die Menschin. Also, das war nämlich so.

Das Biotop, in dem ich wohne, besteht aus einem Schlafzimmer, einem Wohnzimmer, Küche, Bad, Esszimmer, Musikzimmer, Arbeitszimmer und Balkon. Und natürlich der Flur. Da ich weder esse noch schlafe oder bade und musikalisch nie über Mundharmonika hinausgekommen bin, halte ich mich meistens im Arbeitszimmer auf, denn arbeiten kann ich viel, wenn der Tag lang ist. [Aktuell werden die Tage zum Glück wieder kürzer.]
So saß ich gestern also am Schreibtisch und entwarf das Gewächshaus, das ich hier demnächst auf dem Balkon bauen muss, damit ich auch im Winter meiner Berufung zum Gärtner folgen kann – oder vielleicht schule ich noch auf Architekt um –, da kam meine Menschin elegant über den Teppich gestolpert und herrschte mich an, ich solle mich fertig machen, wir müssten los.

Intermezzo: Ich rate euch – wenn ihr nicht darauf angewiesen seid –, schafft euch keinen Menschen an. Sie sind umständlich, kompliziert, müssen ständig Energie in sich reinbringen oder selbige wieder von sich geben, frieren oder schwitzen ohne Ende, reden einen Haufen Unfug und vor allem: Sie wachsen permanent! Fingernägel, Fußnägel, Haare … alles expandiert in einem fort und wird wieder zurückgekürzt! In jungen Jahren wächst sogar der Mensch selbst in verschiedenste Richtungen! Man stelle sich vor, unsereiner würde sich das erlauben. Hallo? Warum bleiben sie nicht einfach gepflegt auf dem Status quo und chillen sich mal einen? [Gut. Die Friseure wären dann arbeitslos, das wäre natürlich auch blöd. Aber ich verzettele mich hier schon wieder.]

Wo wir denn hinmüssten, fragte ich die Menschin gereizt, denn mir fiel keine gute Lösung für das gläserne Kuppeldach meiner Gewächskathedrale ein. Man kann ja auch nicht einfach immer den Petersdom kopieren. Die Menschin sparte sich weitere Antworten, ergriff mich und warf mich in ihre Handtasche.

Intermezzo: Das ist noch so etwas, was mich auf die Palme bringt. [Immerhin – gute Aussicht.] Diese Fremdbestimmung! Klar ok, ich kann nicht alleine Bus fahren, komme nur sehr langsam die Treppen hoch und runter und verdiene kein eigenes Geld, um mal entspannt alleine Riesenrad zu fahren. Aber muss sie mich das so spüren lassen?

Wir fuhren durch die Stadt, die fröhlich vor sich hin pulsierte, als wäre es angenehm, einer sozialen Hauptschlagader gleich permanent Dutzende von Menschen durch sich durchtrotten zu lassen. Ich konnte nicht viel sehen, da die Tasche nur ein Stück offen stand, aber was ich sah, flößte mir eher Unbehagen als wonniges Wolle-Wohlbefinden ein: Menschen, Menschen, noch mehr Menschen! Sie lachten, jauchzten, fassten mich an und sprachen über mich, als sei ich gar nicht anwesend. [An das Anfassen könnte ich mich ja noch gewöhnen, nur um des lieben Friedens willen natürlich.] Und ehe ich meine schlechte Laune kundtun konnte, wurde ich schändlich mit Alkohol betäubt.

Glühender Weiiiiin

So schwepperte der Abend dann vor sich hin wie ein randvoller Vulkan, der von einem Riesenkind an eine andere Stelle versetzt wird. [So muss ja die Welt irgendwann entstanden sein: Ein paar Riesen wollten ihre Kinder vom Fernsehen abhalten und da es noch kein Lego gab, bauten sie ihnen halt eine kleine Welt zum Spielen, die dann irgendwann vergessen und von den Menschen übernommen worden ist …]

Ich lamentierte angenehm brummelig vor mich hin und entwarf ein paar Relativitätstheorien, als plötzlich über mir der Himmel explodierte.

Kabumm

Heiliges X, da kriegt man ja den Schreck seines Lebens! Kurz dachte ich, Meister F. und seine Kumpanen hätten mich doch noch aufgespürt, aber dann bemerkte ich die positiven Reaktionen der Menschen um mich herum.

„Ooooooooh!“ – „Aaaaaaaah!“ – „Aiaiaiaiiiii!“ [Ach nee. Letzteres war ein Glühgeweinter, der ein Lied mitgröhlte.]

Worauf ich eigentlich hinauswollte. Der von der Nacht längst eingeschwärzte Himmel sah aus, als würden in ihm permanent Champagner-Flaschen detonieren, und eigentlich war das gar nicht mal so unschön.

Rummstata

Was lernen wir daraus? Menschen machen nicht nur Stress und riechen manchmal komisch, sie machen auch noch ständig Krach. Dahlien darf man übrigens nicht einfrieren. Das X steht für Gefahr! Und Igel muss man immer umdrehen und von unten auslöffeln …

2 Gedanken zu “Dahlien darf man nicht einfrieren.

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