Einwurf: Es ist April

Frühling lässt sein blaues Band
wieder mal zu Hause liegen.
Die Schneeflocken im Winde fliegen
und allen steht es bis zum Rand.

Herr Mörike, das ist doch wohl nicht Ihr Ernst? In meinem Lustgarten schneit es quer und das finde ich überhaupt nicht lustig!

Der Frühling, dieser ge-x-te Turnbeutelvergesser, der Name kommt wohl doch eher daher, dass man jetzt früher wach wird, weil es eher hell wird!

Ach wisst ihr was – ich baue mir ein Iglu und dann lege ich mich noch mal hin.

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Die Mittwochsweisheit, Folge 12

Kam die Hummel einst zum Bäcker.
Sie schnupperte: „Ui, das riecht lecker!“
War nur leider etwas wirr
und flog mit Wumms gegen die Tür.

Dann noch einmal gegen das Fenster,
nun sah sie langsam schon Gespenster.
Schließlich fand sie grade noch
für den Durchflug doch ein Loch.

„Bäckerin, ich muss mich fragen“,
hob die Hummel an zu sagen,
„warum das draußen so gut riecht –
wie der Duft von hinnen kriecht?

Wo doch alles ist verschlossen!
Wie ist der Mulm denn rausgesprossen?“
Die Bäckerin, die grinst verschmitzt,
da sie so hinterm Tresen sitzt.

„Betriebsgeheimnis“, flötet sie,
„wir haben da so einen Tri-
ck. Möchtest du vielleicht was trinken?
Nicht dass du glaubst, ich will dich linken!“

Die Hummel ist recht unbestechlich,
doch hier geht sie drauf ein – tatsächlich.
„Ein Espresso bitte schön …
und dann muss ich wieder gehn.“

Drei Stunden ziehn in Plauderei,
man lächelt, trinkt und schwatzt dabei.
So um die zwanzig kleine Tassen
hat sich die Humel bringen lassen.

Ihr Durchmesser hat sich geweitet
als schließlich sie zum Gehen schreitet,
und leichter Irrsinn liegt im Blick:
„Hab Dank, ich find allein zurück!“

So tremort sich die Hummel raus.
Die Welt sieht ihr so seltsam aus!
„Das nächste Mal“, denkt sie und hickst,
„verzicht ich auf den letzten Espresso.“
[JA JA, reim du doch erstmal selbst was Ordentliches auf „hickst“!]

 

Die Mittwochsweisheit, Folge 11

Freunde, wir müssen mal zur Abwechslung über ein ernstes Thema sprechen. Also aufgepasst, Leselupe justiert und Konzentrationsschalter umgelegt.

Jeden erwischen sie gelegentlich, manche verursachen sie sogar selbst, immer reimen sie sich auf „Zergrätungen“ – die Verspätungen! Und da ja sogar Marilyn Monroe mal Method Acting versucht hat, kommt dieser Eintrag hier gleich mal einen ganzen Tag zu spät. Verzeiht.

Erste wichtige Regel: Die Entschuldigung gehört zur Verspätung wie der Saugnapf zum Oktopus oder der Flansch zur Fläche. Wenn ihr euch also irgendwo verspätet, dann entschuldigt euch gefälligst dafür, selbst wenn es
a) keinen interessiert,
b) niemandem etwas nützt oder es
c) keiner hören kann.

Guter Ton und so, weißte? Ist wie mit einer Sonate von Chopin, nur ohne Romantik.

Apropos ohne Romantik. Die Menschin und ich saßen neulich in einem Zug drin und wir wollten eigentlich erfolgreich abziehen, also gen Süden wollten wir ziehen, zugvogelgleich, nur ohne Vogel. Wir wollten dorthin, wo nicht der Pfeffer wächst, aber das Salz in Bergen herumwürzt, wo der Mozart seine BällchenKugeln auf jeden noch so unschuldigen Touristen feuert, wo die Menschen statt „Kaffee“ hundert andere Sachen sagen, aber NICHT „Kaffee“. Ja, dort wollten wir hin und deshalb stiegen wir in einen Zug, aber entgegen unserer zugegebenermaßen recht konservativen Erwartungshaltung fuhr der Zug nicht zu anvisierter Zeit los, sondern blieb locker flockige 25 Minuten im Ausgangsbahnhof stehen. Das war schade, da sich damit sämtliche unserer 11.265 Umstiege noch vor Reiseantritt in Luft auflösten. Der Schaffner röchelte bereits nach fünf Minuten Überfälligkeit ins Bordradio: „Werte Fahrgäste“, das war ja die erste Verhöhnung – ich plädiere dafür, in solchen Situationen das Wort Standgäste zu nutzen -, „aufgrund eines technischen Problems verzögert sich unsere Abfahrt um wenige Minuten.“

Die Menschin und ich begannen eine hitzige Debatte darüber, ob „Verzögerung“ ein Euphemismus für „Verspätung“ ist, weil es irgendwie sanfter klingt, vielleicht weil da noch ein „Zögling“ mit drinhockt, weshalb man automatisch ein Kindchenschema assoziiert.

Da knistor-
te es wieder im Transistor.

Diesmal schenkte sich der Schaffner die Anrede: „Leider konnten wir noch immer nicht losfahren.“ – ACH SO! Und wir dachten schon, die haben links und rechts des Zuges Kulissen des Bahnhofs montiert, damit uns trotz beeindruckender Reisegeschwindigkeit optisch ein Stand vorgetäuscht wird! „Ich kümmere mich aber darum und hoffe, dass wir unsere Reise bald antreten können.“

Er klang schon ein wenig erhitzt, der Schaffner, und ich stellte mir vor, wie er vorn im Maschinenraum mit der Technik kämpfte, wie er fieberhaft auf den Lokführer oder auf an diesen angeschlossene Touchscreens einhämmerte und schlussendlich, nach oben genannten 25 Minuten, endlich den AN-Knopf findet, mit dem sich der Zug starten lässt. Entzückend war vor allem die Dreistigkeit, mit der wir, nachdem der Zug irgendwann tatsächlich im Schneckentempo zu rollen begann, noch einmal frisch und munter begrüßt wurden: „Werte Fahrgäste“, na gut, diesmal stimmte das, „wir begrüßen Sie in unserem RB …“

Aber ach. Wenn man sich jedes Mal, wenn man Zug fahren muss, darüber aufregt, was alles nicht funktioniert, dann käme man ja nie zum Zuge und hätte seine letzten Züge bald verhaucht. Nee nee nee. Also lobe ich an dieser Stelle, um Vorbild zu sein und bald eine Nachbildung in Form einer überlebensgroßen Statue aus Sandstein zu erhalten, also lobe ich, was wollte ich sagen, ach genau, ich bilde an dieser Stelle vor, indem ich mit Begeisterung verkünde, dass wir am Ende über eine andere Route doch noch ankamen in der Stadt, in der Mozart sich fidel in „Verlängertem“ herumkugelt oder in einem „Kapuziner“ oder gar „Großen Braunen“. (Ist das überhaupt noch politisch korrekt? Na gut, was kümmert das die Österreicher.) Und damit keiner sagt, ich würde wieder nur was vom Pferd erzählen, anbei der Beweis:

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Und damit das ein für alle Mal geklärt ist: Ich bin ein Nachfahre des Wunderknaben, ahu! Verdaut das mal. Ich geh derweile mein Violine ölen.

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Die Mittwochsweisheit, Folge 10

Zugegeben, ich habe keine Krankenversicherung und entsprechend auch keine Gesundheitskarte. Das trifft sich, da ich

a) noch nie krank war und
b) nicht in der Lage bin, mich mit Krankheiten zu infizieren. Mit manchen würde ich mich höchstens identifizieren, aber auch das eher selten.

Dennoch möchte ich ein paar Worte zu dieser Thematik in den Äther schubsen, wenngleich Aristoteles es sicher gar nicht lustig fände, wenn ich seinen rein geistig erschlossenen allumfassenden Urstoff derart beschmutzte. Aber ach, Aristoteles legt heute auch lieber die Beine hoch und krault seine Mietze.

Früher, als ich noch jung war und die Menschin nicht kannte, da hieß die Gesundheitskarte noch Krankenkarte. Das passte, da sie von einer Krankenkasse ausgeteilt wurde, wenn man krankenversichert war. Man nutzte sie, wenn man krank wurde, dann ging man nämlich zum Arzt bzw. in härteren Fällen direkt in ein Krankenhaus. Und wenn man die Krankenkarte nicht mehr brauchte, dann war man wieder gesund. Nomen est omen, Kollegen!

Aber dann, wie so oft in dramatischen Filmen, wurde alles anders. Der Mensch, bei dem ich seinerzeit gastierte, bekam eine neue Karte zugeschickt, auf die plötzlich sein Foto draufgedruckt war (ich hatte ihm ja ans Herz gelegt, er solle ein Porträt von mir hinschicken, aber da hatte er sich bisschen enge), und die hieß fortan Gesundheitskarte. Und ei der Daus, schon wurde uns der Salat quasi in Tüten frei Haus unter den Abstreicher gematscht! Kaum war der Mensch mal wieder gesund, nahm er seine Gesundheitskarte und zog zum Gesundheitshaus, kam jedoch unverrichteter Dinge wieder zurück. Er telefonierte nach seiner Gesundheitskasse, musste niesen und bekam ein herzliches „Gesundheit!“ zu hören, dann stand er wieder still auf der Leitung. Nur in der Ferne hörte er einen einsamen Heuballen über eine verlassene Landstraße wehen. Dafür, wie gut und gesund er sich fühlte, konnte sich niemand so begeistern wie damals, als er krank mit der Krankenkarte durch Flure und Wartezimmer zog.

Wo haben wir nun das Problem? Keine Angst, ich händige jetzt keine handlichen Handspiegel aus. Aber ich muss sagen, dass diese Hau-ruck-Heranholung der Sprechakttheorie nicht ganz immer so mega … also, das hätte doch nicht sein müssen.
Wie wir alle wissen, ist ein Sprechakt eine sprachliche Handlung, die quasi greifbare Folgen in der Realität hat.
Beispiel: „Ich erkläre euch hiermit zu Mann und Frau.“ [Achtung: Nur gültig, wenn der Sagende das auch sagen darf, sonst könnte das ja jeder sagen und auf einmal wären die Menschin und ich verheiratet und DAS lohnt sich von der Steuer her nun echt nicht.]
Anderes Beispiel: „Sie sind hiermit entlassen!“
[Achtung: Nur gültig, wenn der Grund zu einer fristlosen Kündigung gegeben ist, ansonsten viel Spaß vor dem Arbeitsgericht.]

Prinzip verstanden? Gut. Dann Trommelwirbel, Tusch, Vuvuzela – hier kommt der Knackpunkt. Liebe Krankenkassen, nur weil die Krankenkarte der Menschen in „Gesundheitskarte“ umbenannt wurde, werden die Leute aber nicht automatisch wieder gesund! Und diese ganze Schönrederei kann einen doch krank machen, kann die! Also, in eurer Sprache dann sozusagen – gesund! Ja, das macht mich sowas von gesund, macht mich das, ich werde direkt mal zur Karte … ich hab keine Karte … ich nehme mir das Portemonnaie der Menschin und suche nach …

„Halt, Herr Hugo!“, kommandiert Frau von der Menschin und ich stehe stramm.
„Ist es so, wie es aussieht, oder sieht es nur so aus, wie es ist?“, fragt sie.
„Es ist nicht so, wie es nicht aussieht“, schlingere ich und lasse ihre Gesundheitskarte unauffällig in der Brusttasche meines Blaumanns verschwinden. Dann erkläre ich ihr in knappen 550 Worten, worum es ging.
„Aber Hugo“, wirft die Mietzahlerin mir zwischen die Füße, „warum heißt denn dann das Gesundheitsministerium nicht Krankenministerium?“

„Ja, meine Liebe … an solchen falschen Sprechungen krankt eben das ganze System.“

 

Die Mittwochsweisheit, Folge 9

Wisst ihr, was richtig, richtig cool wär? Wenn ich in der Lage wäre, diesen Beitrag so zu formulieren, dass er sich, auf den Kopf gestellt, genauso läse wie Folge 6. Aber das Leben ist halt kein Gnadenhof und deshalb braucht ihr gar nicht erst beginnen, das Tablet rotieren zu lassen. Fällt eh nur runter und dann ist die Uhr kaputt!

Wir hatten gestern übrigens hohen Besuch. Könnte daran liegen, dass wir ganz oben wohnen, aber wenn man diese Zusatzinformation weglässt, wirkt es wichtiger. Deshalb, ganz ohne Zusätze: Wir hatten gestern hohen Besuch!

Es klopfte gegen 18:53 Uhr und sieben Sekunden an der Wohnungstür, was mich in Erstaunen versetzte, da der Nachbar sich derzeit im Urlaub befindet. Schulpflichtige Kinder müsste man haben! Egal. Jedenfalls, ich kletterte aus dem Erstaunen heraus und schlurfte zur Tür, demonstrativ ein Messer in der Hand haltend, denn wir hatten gerade diniert. [Da kann es ja ganz schlimme Missverständnisse geben. „Was wollen Sie?“ – „Dinieren!“ – „Nein! Das sind meine!“ … Aber über illegalen Organhandel mache ich natürlich keine Witze.]

Ich öffnete also die edlen Pforten unserer Bruchb Behausung und blickte auf fusselige graue Socken in ausgetretenen Schlappen, die wohl mal hellblau gewesen waren. Mein Auge kletterte nach oben, streifte eine dunkle Leggins, dann ein helles Shirt und schließlich das Gesicht von der Frau aus dem Nachbarhaus, die uns immer ins Wohnzimmer guckt – im Gegenzug starren wir ihr dafür manchmal in die Küche.

„Guten Tag“, sagte sie. „Hat er sie verlassen?“

Ich überbrückte meinen Denkzeitbedarf mit einem ausgedehnten „Ja hallooooo[…]ooooo Frau … äh … Nachbarin! Wer hat mich verlassen? Wir wohnen immer noch zu zweit hier.“

„Nein, nicht Sie, sie!“ Bedeutungsschwanger blinzelte die Dame in die Untiefen unserer Lebenswelt.
„Ja, sie wohnt auch noch hier, hab ich doch gesagt!“
„Aber was ist mit dem Mann? Den habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen! Also, im Hof. Ähem. Und man macht sich ja so seine Gedanken.“

Ich wusste nicht, ob ich die Dreistigkeit ihrer Neugier amüsant oder entsetzlich finden sollte. Außerdem hörte ich, wie sich das Ohr der Menschin auf die Schwelle gelegt hatte und mit kleinen Läppchen-Hüpfern immer näher herankroch.

„Ach DER, äh, na ja … tragische Geschichte, wissen Sie“, sagte ich schließlich. Das Gesicht der Nachbarin ging in Bereitschaft zu Beileidsbekundungen über und hob schon an, sich am Schicksal der Menschin zu weiden wie diese lilafarbenen Tiere, aus denen die Schokolade kommt. Ich lockte sie mit meinem Zeigefinger zu mir auf Augenhöhe und senkte die Stimme. Das Ohr der Menschin erhob sich in meinem Rücken und setzte zum Sprung an. Die Nachbarin hatte vor Spannung das Atmen eingestellt und bekam einen leicht bläulichen Touch.

„Der gewünschte Gesprächspartner ist vorübergehend nicht zu erreichen“, säuselte ich sanftmütig. „Tut mir leid, da sind Sie wohl falsch verbunden.“

Ein Schnauber der Empörung verließ die Nachbarinnennase [Ha, das wird Wort des Jahres 2016!] und schleuderte ihren Kopf nach oben in seine Ausgangsposition. Wütend schaute sie auf mich herab. Erst jetzt fiel mir auf, dass hinter ihrer linken Schulter ein paar graue Locken hervorsprossen, die unmöglich von ihr selbst stammen konnten.

„Aber sagen Sie, wo Sie gerade hier sind“, begann ich freundlich, „ist unten die Haustür offen oder wie sind Sie hier reingekommen?“

Nach allen Regeln der Kunst düpiert machte die Dame auf dem Absatz kehrt, schnappte sich den ältlichen Mann, der hinter ihr gestanden hatte und rief: „Komm Dietrich, wir gehen!“

Als ich zufrieden zurück ins Esszimmer kam, hatte die Menschin nicht nur ihren eigenen, sondern auch meinen Teller komplett leergegessen und war gerade dabei, mit dem Zeigefinger die restlichen Brotkrümel aufzusammeln.
„Was ist denn hier passiert?!“, fragte ich ehrlich entsetzt. Die Mietzahlerin zog sich schnell eine unschuldige Trauermiene über.

„Na ja … tragische Geschichte, wissen Sie …“

Die Mittwochsweisheit, Folge 8

Also ich bin ja im Tagesschnitt von Gott zu 99 % unbehelligt, aber neulich gab es mal wieder so einen Moment, da ich mir kurz unsicher war, ob das aufflackernde Schicksal nicht doch von einer höheren Hand gehändelt worden sei – und wir reden hier nicht von der unsichtbaren Hand des Marktes, die ist ja mal sowas von letztes Jahrtausend!

Es geschah am Wochenende und es geschah erbarmungslos: Die Menschin hatte plötzlich keine Stimme mehr. Ha, da war sie aber verstimmt!
„Stimmt was nicht?“, fragte ich scheinhei ehrlich besorgt, als sie hüstelnd und räuspernd ihr Frühstücksbrötchen in Salbeitee ertränkte. „Kann ich nicht  genau sagen„, krächzte die Menschin.
„Stimmt“, musste ich süffisant feststellen und warf ein paar Hausmittelchen in die Runde, die meine Mutter mir früher verabreicht hätte, wenn ich denn einer Mutter habhaft gewesen wäre: Halswickel, Butterpflaster, Zwiebelsud … Also, Begeisterung konnte ich bei der Mietzahlerin dafür nicht generieren.

„Was machen wir denn da nun?“, fragte ich schließlich. Das ist ja der Tipp schlechthin, also guthin, also der funktioniert, wenn man mal wieder nicht weiß, was die Frau am Frühstückstisch nun eigentlich will: Man fragt sie einfach.

Nichts„, hauchte die Menschin und hustete anschließend, als wolle sie einen Preis für gutturale Unlaute bekommen. „Lass mich zurück. Du musst ohne mich weiter …
„Aber was soll ich dann den Kindern sagen?“ Ich fiel dramatisch vor ihr auf die Knie.
Sie werden es eines Tages verstehen.
Die Menschin kraulte mir ein letztes Mal den Schopf, dann ging sie von hinnen, um sich ein Erkältungsbad einzulassen.
„Schwimm nicht so weit raus!“, mahnte ich. „Gibt hier keine heißen Bademeister!“
Ja ja„, dröhnte es im Flüsterton zurück. Und der Abwasch blieb natürlich mal wieder an mir hängen. Beim X, das war ja wieder klar.

[Offiziell ist nun Schluss, aber weil er neulich im Angebot war, folgt ein Epilog.]

Epilog, überraschend aus dem Hinterhalt aufgetaucht (der Fiesling)

Das Glück ist oft von kurzer Dauer –
und erst, wenn es schon längst verzogen,
bemerkt man mit Geheul und -schauer,
dass es nun fort ist. Ungelogen!

Am Montag kam die Stimme wieder
und mit ihr all das Rumgenöle.
Es bibbert mir noch schwach das Mieder
von all dem Schmerz auf meiner Söle.

So ist die Menschin wieder ganz …
Und ich bin ganz und gar am Ende Schluss.
Es war, als hätt‘ die Welt mehr Glanz;
nun ists, als hätt ich nur Verdruss!

Die Mittwochsweisheit, Folge 7

Die Menschin hat in letzter Zeit des Öfteren schlechte Laune. Das tut mir leid, aber manchmal auch ganz gut. Man kann sie nämlich so schön ärgern, wenn sie schlechte Laune hat. Das ist, als sähe man ein altes Fass, dessen Füllung sich beängstigend weit dem oberen Rand genähert hat, und als hätte man zufällig eine Gießkanne mit ein paar Tropfen dabei, und als gösse man dann … egal. Sobald Diogenes rausspringt und dich verprügelt, macht das ja eh keinen Spaß mehr. Also lassen wir dem Fass seine Krone und kehren zur Menschin zurück. Die kam heute nach Hause und schleifte ihre geschliffenen Mundwinkel drei Meter hinter sich über den Boden. Fand der Boden natürlich auch nicht so toppigaloppi, aber den fragt ja keiner. Den treten alle immer nur mit Füßen.

„Was geht?“, fragte die Menschin jedenfalls mit dem Esprit¹ eines benutzten Zahnseideknäulchens.
Rien ne va plus„, verkündete ich sofort, „heutzutage läuft alles nur noch.“
„Also gut. Wie läuft’s?“
Schön warm am Bein runter Es geht so“, sagte ich, „ging schon besser.“

Die Menschin schaute mich lange an. Ihr Blick schwankte, als habe sie Mühe, zunächst sich und dann mich zu begreifen. Also, rein optisch natürlich.

„Na, dann geht’s ja“, erwiderte sie schließlich und senkte sich der Länge nach auf den Diwan herab. Ihre rechte Hand schnipste nach dem Butler, was ungehört in den weiten Hallen des Schlosses verhallte. (Ja ja, ich habe es natürlich schon gehört, aber der, der es hören sollte, der nicht, weil der nämlich nicht so hörig ist wie ich.)

„Du hast den Butler entlassen“, merkte ich an.
„Wir hatten nie einen Butler“, nölte die Menschin und zeichnete mit den Fingerspitzen ihre Augenringe nach.
„Aber das ist ja quasi, als ob wir ihn schon vor sehr sehr langer Zeit entlassen hätten – zu einem Zeitpunkt, noch bevor wir ihn angestellt haben, sodass er nie tatsächlich für uns gearbeitet hat.“

Wieder versuchten ihre Augen, mich einzukreisen und zu fixieren, aber ich war schneller, sprang in die Küche und hachte ein paar Mäppchen.

„Bring den Wein mit!“, ersuchte mich ihre holde Schnittlauchigkeit.
„Hast du Weltschmerz?“
„Ich? Habe nun ach – Philosophie, Juristerei und Medizin … und leider auch Theologie …“

Oh Gott Goethe! So schlimm schon! Ich rollte unser Notfall-Fässchen aus der Küche bis vor den Diwan und propfte einen Strohhalm hinein. Das heiße Bemühen der Menschin verging im Traubenmost. Diogenes hämmerte von innen gegen das Holz und brüllte was von nächtlicher Ruhestörung. Und gerade, als es so richtig interessant wurde,

[Der restliche Beitrag wurde vom Bundesverband deutscher Philosophenschützer einbehalten. Die brauchen auch mal was zum Mittag. Hugo wird demnächst zum Vorsitzenden gewählt, versprochen!]

¹ Das ist keine Schleichwerbung, sondern ein Fremdwort.

Die Mittwochsweisheit, Folge 6

„Hello again“, ich sag einfach: „Hello again …“ – Soviel dazu; seid froh, dass ich es nicht auch singe.

Die Menschin stand neulich im Flur und betrachtete nachdenklich abwechselnd ihr mobiles Endgerät und die Deckenlampe. Ihre Augenbrauen tanzten den Unzufriedenheits-Cha-Cha: Zusammen, auseinander, enger zusammen, wechselseitiges Gehüpfe … Ich legte ihr gönnerhaft eine Hand auf die Schulter und fragte, ob ich helfen gönnekönne.

„Es geht nicht aus“, seufzte sie.

„Wer geht nicht aus?“, fragte ich nach. „Du gehst nicht aus, seit einer Weile schon, aber daran ist doch nicht die Lampe schuld!“

„Ja, nein, hier … ich drücke und drücke, aber das Licht geht nicht aus!“

In dem Moment beschloss ich, eine Schrift über „Nearly Digital Natives“ aufzusetzen, die die Welt verändern würde. Ha, wie würde ich den Stachel ins Herz der wahnwischigen, tattrig-tippernden Ewignachuntenstarrer treiben, wie würde ich ihren Blick mit unbezwingbarer Hand aufheben und in Richtung ernsthafter Probleme schleudern, wie würde ich … Na ja, ich habe leider das Ladegerät vom Laptop nicht gefunden und nun, da ich es auftreiben konnte, ist mir die Lust abhanden gekommen. Und die Menschin schlug sich nach angemessenen zehn Sekunden des Erkenntnisgewinns gegen die Stirn und nutzte den Lichtschalter. Beim Kreuze des X, und dann tat sie etwas selbst für mich noch Erstaunliches: Sie lachte über die eigene Unzulänglichkeit.

Ich habe ja lange darüber nachgesonnen, warum der Mensch sich selbst als Krone der Schöpfung bezeichnet, selbst wenn er im gleichen Zug die Schöpfung anzweifelt. Was bildet er sich nicht darauf ein, also der Mensch jetzt, dass er ein dolles Gehirn habe und super abstrakt denken könne und dass eine weiße Leinwand, als „Neuschnee, unberührt“ betitelt, locker für ein paar Milliönchen den Besitzer wechselt! Da fiel es mir wie Schuppen von der Kopfhaut; die Erkenntnis sengte sich in mein Auge wie ein unerbittlicher Frühsommersonnenstrahl: Das ist es nicht. Der Mensch hat die Welt nicht mehr schlecht als recht seinen Bedürfnissen unterworfen, weil er so großartig ist. (Zugegeben, im Vergleich zu mir ist er schon groß, aber artig …) Nein. Aber er kann, selbst wenn er etwas unfassbar Blödes tut, im Anschluss über sich lachen. Ist das nicht eine Fähigkeit, die jede andere Spezies vor Erstaunen in die Knie zwingt? (Damit wäre das Forschungskapitel „Evolution & Co.“ ein für alle Mal abgeschlossen. Darwin, dank mir später.)

Wenn ich in der Steppe einem Gepard begegne, der sich gepaart unfähig ist, eine dreibeinige asthmatische Antilope zu erlegen, und der Kollege fände das auch noch lustig, dann würde ich dem aber eine Therapie ans Herz legen! Oder einer kichernden Schnecke, die nicht in der Lage ist, mal die große Hausordnung zu erledigen. Oder einem Panda, der selig schmunzelnd nicht wenigstens die einfachsten Kung-Fu-Übungen hinbekommt. Aber die Menschin, die steht im Flur und lacht, weil sie das Licht nicht ausgeschaltet bekommt. Und sowas will noch zur geistigen Elite gehören!

„Du verstehst das nicht. Du bist halt einfach gestrickt“, mault sie mich dann natürlich an, als ich wohldosiert meine Kritik an ihrem Verhalten in den Raum stelle.

„Ich bin gehäkelt!“, opponiere ich opulent.

„Ach, immer die gleiche Masche“, mäkelt die Menschin und kann sich nicht verkneifen, ob dieses schlechten Wortwitzes wieder ein selbstverherrlichendes Grinsen zwischen ihre Ohren zu hängen. Ich hänge meine Aufmerksamkeit von ihr ab und organisiere mir etwas zum Frustfressen. Wisst ihr, das Leben ist wie eine Pralinenschachtel – ich weiß immer, was ihr als Nächstes bekommt!

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Die Mittwochsweisheit, Folge 5

Fangen wir heute gleich mit dem ganz harten Stoff an. Einmal Rilke zur Einstimmung:

Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt.
Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

[Auszug aus „Abschied“ von 1907]

So, und jetzt packen wir die Taschentücher wieder ein und den Hugo in den Koffer. Ich verabschiede mich nämlich gerade von euch, mit einem lachenden und einem weinenden Auge (was für mich Multitasking im überhöht-anstrengenden Sinn bedeutet)!

Aber keine Angst, es ist nicht für immer, sondern nur für dieses Jahr. Die Menschin und ich haben ab nächste Woche nämlich Urlaub, ha! Nachdem wir die letzten Tage gebacken und gemacht und gemehrt haben wie die Weltmeister, gedenken wir nun, für zwei Wochen in den Keksbergen unterzutauchen, die sich hier an allen Ecken und Enden stapeln.

Noch ein Auszug, diesmal aus dem Keksangebot:

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Aber ich denke, dem geneigten Leser und seiner -in wird es durchaus recht sein, denn ihr habt doch genauso viel zu tun. Man ist zur besinnlichen, ruhigsten Zeit des Jahres ja immer so entsetzlich im Stress! Der Baum will verpackt und angezündet werden, Verwandte ge- oder besucht, schlimmstenfalls noch beschenkt, und apropos Geschenke, die fallen zu Zeiten der Fernheizung ja leider auch nicht mehr durch den Kamin in die gute Stube. Da lob ich mir doch das Osterfest, zu dem man ein paar Eier ansteckt und verpinselt und gut ist. Aber ach, ich schweife ab.

Ihr Lieben, ich wünsche euch schon mal langfristig einen schönen Weihnachtsmann, ein fleißiges Fest und dass mir keiner niest, wenn er ein ordentlich bepuderzuckertes Stollenstück in den Händen hält!

Bleibt gesund und munter
wie ein Fisch und geht nicht unter.
Bleibet glücklich, bleibet froh
wie der Mops im Haferstroh.
Und bleibt lustig, bleibt auch heiter
wie das Fröschlein auf der Leiter.

… oder so. Ich muss jetzt den Feiertagswein auswählen gehen. Beim frostigen X, was hat man hier nur immer für einen Stress. Hicks!